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Horst Bienek

Straßennamen im Bornstedter Feld

Horst Bienek

Horst Bienek wird am 07.05.1930 als jüngstes von sechs Kindern in Gleiwitz (Oberschlesien) geboren. Er besucht die Volksschule. Sein Vater ist Lokomotivheizer bei der Deutschen Reichsbahn und wird früh ins „Reich“ verpflichtet. Die Mutter stirbt 1941, so dass der Elfjährige von seinen zwei älteren Schwestern erzogen wird. Nach der Besetzung Schlesiens durch russische Truppen wird er mit 15 Jahren als Demontage-Arbeiter zwangsverpflichtet und ein Jahr später nach Köthen in Anhalt umgesiedelt, wo er von Gelegenheitsarbeiten lebt und zu schreiben beginnt.

1949 wird er als Volontär bei der Tagespost in Potsdam aufgenommen. Im selben Jahr erhält er einen Anerkennungspreis für seine Prosa. Mitte 1951 veröffentlicht er Lyrik in der von Peter Huchel herausgegebenen Zeitschrift „Sinn und Form“ und wird im September in die Meisterklasse von Bertold Brecht am Berliner Ensemble aufgenommen.

Am 8. November 1951 wird Bienek wegen angeblicher Spionage und Sowjethetze vom Staatssicherheitsdienst der DDR verhaftet und nach sieben Monaten Untersuchungshaft in Potsdam durch ein sowjetisches Militärtribunal zu 20 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Bienek verbringt mehr als drei Jahre im Lager Workuta, zwischen Nord-Ural und Eismeer. Als Kohlenhauer muss er täglich zwölf Stunden unter Tage arbeiten.

1955 wird er durch eine Amnestie in die Bundesrepublik entlassen, dort wirkt er ab 1957 als literarischer Redakteur beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt am Main. Mit dem Traumbuch eines Gefangenen (1957), einer Sammlung von Gedichten und Prosa versucht er, die traumatische Haft im Archipel Gulag zu verarbeiten. 1959 bis 1961 gibt Bienek gemeinsam mit Hans Platschek die Zeitschrift „blätter und bilder“ heraus, von 1961 bis 1964 ist er der erste literarische Lektor des Deutschen Taschenbuchverlags in München und Gründer der Sonderreihe dtv.

Ab 1965 als freier Schriftsteller in Ottobrunn bei München ansässig, wird Horst Bienek zu einer der Zentralgestalten des deutschen Kulturlebens. Er ist Mitglied verschiedener Organisationen, so zum Beispiel des P.E.N., der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, der Bayrische Akademie der Schönen Künste in München. Reisen mit Vorträgen und Lesungen führen ihn durch Europa, Amerika und Australien. Für sein filmisches und literarisches Werk wird er vielfach ausgezeichnet,

In seinen Werken bildet lange Zeit die Erfahrung der Gefangenschaft das zentrale Thema. Den Mittelpunkt seines literarischen Schaffens bildet die Gleiwitzer Tetralogie (1975-82), in der Bienek die Erinnerung an die eigene Kindheit mit der Chronik Oberschlesiens während des Zweiten Weltkrieges verbindet, mit den Romanen Die erste Polka, Septemberlicht, Zeit ohne Glocken und Erde und Feuer. Im vierten Band lässt Bienek Schlesiens „größten“ Dichter Gerhart Hauptmann auftreten.

Horst Bienek stirbt 1990 in München und wird in Ottobrunn begraben.

1994 stellt Bieneks Schwester Edeltraut einen Rehabilitierungsantrag; Nach der Prüfung der Unterlagen stellte die russische Generalstaatsanwaltschaft fest, dass Horst Bienek ohne Grund und aus politischen Motiven verurteilt worden war und postum rehabilitiert wird.

Quellenverzeichnis

Horst Bieneck:
https://www.literaturportal-bayern.de/autorenlexikon?task=lpbauthor.default&pnd=118510754 17.6.2021
Horst Bieneck:
https://www.munzinger.de/search/go/document.jsp?id=00000008259 17..6.2021
Titelbild Horst Bienek:
https://de.wikipedia.org/wiki/Horst_Bienek 17.6.2021

Petra Schaefer

Straßennamen im Bornstedter Feld
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Reinhold Schneider

Straßennamen im Bornstedter Feld

Reinhold-Schneider

(* 13. Mai 1903& in Baden-Baden; + 6. April 1958 in Freiburg im Breisgau)

Reinhold Schneider war Sohn von Wilhelm Schneider und dessen Frau Luise Wilhelmina Augusta, geb. Messmer. Die Eltern führten das renommierte Hotel Messmer.

Von 1912 bis 1921 besuchte Reinhold Schneider die Baden-Badener Oberrealschule. Zu dieser Zeit, von 1914 bis 1918, wurde in Europa, im Nahen Osten, in Afrika, Ostasien und auf den Ozeanen der Erste Weltkrieg2 geführt. Das Hotel Mesmer kam in unüberwindliche finanzielle Schwierigkeiten und mußte schließen. Die Mutter verließ die Familie, Vater Wilhelm erschoß sich kurz nach dem 19. Geburtstag seines Sohnes. Auch Reinhold versuchte sich das Leben zu nehmen. Neuen Lebensmut fand er durch die Bekanntschaft mit Anna Maria Baumgarten (1881–1960), die zur „Gefährtin seines Lebens“ wurde.

Nach einer kaufmännischen Ausbildung und der Anstellung bei der Kunstanstalt Stengel & Co GmbH3 wurde Schneider im Jahre 1928 als freier Schriftsteller in Berlin und Potsdam tätig. Mit Beginn des Nationalsozialismus setzte er sich intensiv mit diesem totalitären Regime auseinander und schrieb dagegen an, z. B. mit dem Gedicht “Nun baut der Wahn4. Seine erste literarische Schaffensperiode, ab 1930, zeigte eine große Nähe zur literarisch-weltanschaulichen Erneuerungsbewegung des Renouveau catholique5.

1938 zug er nach Freiburg im Breisgau und wurde Mitglied des konservativ-katholischen „Freiburger Kreises“6. Im selben Jahr erschien seine kritische Szenenfolge Las Casas vor Karl V.7, in welcher Unterdrückung, Rassenwahn und falsch verstandene Religiosität angeprangert werden. Am 1.9.1939 begann der Zweite Weltkrieg8, der zweite global geführte Krieg sämtlicher Großmächte im 20. Jahrhundert (Ende 2.9.1945). 1941 erhielt Reinhold Schneider absolutes Schreibverbot, dennoch fanden sich mutige Verleger und seine Werke wurden heimlich von Hand zu Hand gereicht. Im Frühjahr 1944 durchsuchte die Gestapo seine Freiburger Wohnung. Schneider versteckte sich und tauchte zuletzt in einem evangelischen Stift unter. Eine Anklage wegen Hochverrats vom April 1945 kam wegen des Zusammenbruchs des „Dritten Reichs“ nicht mehr zur Verhandlung.

Nach dem Krieg befasste sich Reinhold Schneider unter dem Eindruck des zu einer Trümmerwüste gewordenen Deutschlands und „dem Geheimnis unserer abgründigen Schuld“ 1946 in “Die Heimkehr des deutschen Geistes mit der Frage, wie es zu dieser Katastrophe hatte kommen können. Er galt als das „Gewissen der Nation“ und bekam viele Ehrungen. Als sich die Bundesrepublik Deutschland formiert hatte und die Debatte um die Remilitarisierung begann, widersetzte sich der gläubige Katholik diesem Vorhaben mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln. Diese Einstellung hatte seine vollkommene berufliche Isolierung zur Folge.

Reinhold Schneider starb an den Folgen eines Sturzes in Freiburg und wurde am 10. April 1958 im Familiengrab Messmer/Schneider auf dem Hauptfriedhof Baden-Baden beigesetzt.

Reinhold Schneider ist der Namensgeber des Kulturpreises der Stadt Freiburg im Breisgau sowie einer Freiburger Schule. Freiburg ehrt den Dichter auch mit dem Namen einer Straße, ebenso wie seine Geburtsstadt Baden-Baden und die Städte Offenburg, Karlsruhe, Mainz, Köln, Düsseldorf, Osnabrück und Potsdam.

Quellenverzeichnis

1 Reinhold Schneider, Leben und Wirken
https://de.wikipedia.org/wiki/Reinhold_Schneider 30.5.2021
2 Erster Weltkrieg
https://de.wikipedia.org/wiki/Erster_Weltkrieg 30.5.2021
3 Kunstanstalt Stengel & Co GmbH
https://de.wikipedia.org/wiki/Stengel_&_Co. 30.5.2021
4 Nun baut der Wahn: Die Sonette – Reinhold Schneider – von Leben und Zeit, dem Glauben und der Geschichte – Verlag Jakob Hegner – Köln und Olten. S. 84
https://www.mariens-hilfe.org/nun-baut-der-wahn/ 30.5.2021
5 Katholische Erneuerung, eine philosophische, sozialkritische katholische Bewegung
https://de.wikipedia.org/wiki/Renouveau_catholique 30.5.2021
6 Freiburger Kreis
https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Färber#Der_Freiburger_Kreis_um_Reinhold_Schneider_und_Karl_Färber 30.5.2021
7 Las Casas vor Karl V.
https://de.wikipedia.org/wiki/Las_Casas_vor_Karl_V. 30.5.2021
8 Zweiter Weltkrieg (1.9.1939-2.9.1945)
https://de.wikipedia.org/wiki/Zweiter_Weltkrieg 30.5.2021
9 Reinhold-Schneider-Briefmarke.jpg
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Reinhold-Schneider-Briefmark.jpg

Karl-Heinz Daum

Straßennamen im Bornstedter Feld
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Jochen Klepper

Straßennamen im Bornstedter Feld

Jochen Klepper

Jochen Klepper gilt als einer der bedeutsamsten evangelischen Liederdichter der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Geboren wurde Jochen Klepper am 22. März 1903 in Beuthen in der Nähe von Glogau.

Er wuchs gemeinsam mit zwei älteren Schwestern und zwei jüngeren Brüdern in einem evangelischen Pfarrhaus auf. Er besuchte das Evangelisch-Humanistischen Gymnasium in Glogau. Der stille Jochen fiel in der Schule auf, äußerst elegant gekleidet wirkte er auf die meisten Mitschüler eigenartig und weltfremd, er war einfach anders.

Ab Sommer 1922 studierte er Evangelische Theologie in Erlangen und ab Sommer 1923 in Breslau.

Wegen seines labilen Gesundheitszustandes – Klepper litt unter Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Asthma – war es ihm nicht möglich, das Studium zu beenden.

Ende des Jahres 1925 ging er ohne Abschluss zurück nach Beuthen und wurde Redakteur beim evangelischen Presseverband in Breslau, wo er sich bald einen guten Ruf mit seinen Rundfunkbeiträgen erwarb.

Jochen Klepper heiratete 1931 die jüdische Witwe Johanna Gerstel-Stein, die 13 Jahre älter als er war und zwei Töchter mit in die Ehe brachte. Glücklicherweise war seine Ehefrau sehr vermögend – Klepper selbst verdiente durch seine journalistischen und inzwischen auch schriftstellerischen Tätigkeiten nur wenig. Für seinen ersten Roman „Die große Direktrice“, der in der Mode-Welt seiner Ehefrau spielt, fand er keinen Verleger.

Ende des Jahres 1931 zog Jochen Klepper nach Berlin. Dort hoffte er seine Begabung besser entfalten zu können. Klepper fand zunächst Arbeit beim Rundfunk, wurde aber seiner jüdischen Ehefrau wegen kurz darauf wieder entlassen.
Seinen ersten Roman, „Der Kahn der fröhlichen Leute“ veröffentlichte er 1933.

1949 wurde er in der sowjetischen Besatzungszone von der DEFA verfilmt, kam 1950 unter dem gleichnamigen Titel in die Kinos und war mit mehr als 4 Millionen Zuschauern ein Publikumserfolg.

Zum 24. Februar 1934 erreichte er seine Aufnahme in die Reichsschrifttumskammer. Da seine Frau und ihre beiden Töchter nach Definition der Nürnberger Rassegesetze Jüdinnen waren, geriet die Familie zunehmend unter Druck. Seine ältere Stieftochter Brigitte konnte kurz vor Kriegsausbruch über Schweden nach England ausreisen. Jochen Klepper sah in der wachsenden Judenfeindlichkeit einen Frevel an Gott. Er verfolgte das Zeitgeschehen und auch den Weg der evangelischen Kirche zwischen Anpassung und Bekennender Kirche mit großer Anteilnahme und Sorge.

1937 veröffentlichte Jochen Klepper seinen Roman „Der Vater“. Darin bearbeitete er nicht nur anhand des Konflikts zwischen dem preußischen Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. und dessen Sohn Friedrich II.s einen eigenen Vater-Sohn-Konflikt, sondern entwarf im Bild eines Königs, der in allem nach Gott fragt und sich als „ersten Diener im Staat“ begreift, das Gegenbild zum Führerkult des Nationalsozialismus. Der Roman wurde trotz seines Umfangs von zwei dicken Bänden, die je 9,60 Mark kosteten, schnell ein Verkaufsschlager, besonders in preußisch gesinnten Kreisen; er wurde Pflichtlektüre für Offiziere der Wehrmacht. 65.000 Exemplare wurden schon zu Kleppers Lebzeiten verkauft, was wesentlich zu seinem Überleben beitrug; weitere 35.000 bis zum Kriegsende und seither wurden über 200.000 Exemplare dieses Werks gedruckt. Andererseits erfolgte kurz nach Erscheinen des Romans am 25. März 1937 der Ausschluss aus der Reichsschrifttumskammer, was Berufsverbot und Arbeitslosigkeit gleichkam. Klepper erwog die Flucht ins Ausland, konnte sich aber nicht dazu überwinden.

Mit einer Ausnahmegenehmigung konnte er 1938 eine Sammlung von Kirchenliedern unter dem Titel „Kyrie“ herausgeben. Diese haben in großem Umfang Eingang in den Kanon der evangelischen Gesangbücher gefunden; er ist dort nach Martin Luther und Paul Gerhardt der dritthäufigste Autor.

Am 25. November 1940 erhielt Klepper die Einberufung zur Wehrmacht und war vom 5. Dezember 1940 bis 8. Oktober 1941 Soldat. Wegen seiner „nichtarischen Ehe“ wurde er im Oktober 1941 als „wehrunwürdig“ aus der Wehrmacht entlassen.

Ende 1942 scheiterte die Ausreise der jüngsten Tochter ins rettende Ausland, ihre Deportation stand unmittelbar bevor. Überdies musste Klepper nach einer persönlich erteilten Auskunft des Reichsinnenministers Wilhelm Frick davon ausgehen, dass Mischehen zwangsweise geschieden werden sollten und damit auch seiner Frau die Deportation drohte.

Der Tagebucheintrag vom 8. Dezember zeigt Kleppers Verzweiflung, aber auch sein unbedingtes Festhalten an einem Weltbild, das so sehr von Gehorsam geprägt ist, dass es ihn dazu bringt, selbst unmenschliches Leiden weiterhin als Prüfung Gottes zu verstehen: „Gott weiß, dass ich es nicht ertragen kann, Hanni und das Kind in diese grausamste und grausigste aller Deportationen gehen zu lassen. Er weiß, dass ich nicht geloben kann, wie Luther es vermochte: ‚Nehmen sie den Leib, Gut Ehr, Kind und Weib, laß fahren dahin-.‘ Leib, Gut, Ehr – ja! Gott weiß aber auch, daß ich alles von ihm annehmen will an Prüfung und Gericht, wenn ich nur Hanni und das Kind notdürftig geborgen weiß.“

Die Familie nahm sich in der Nacht vom 10. auf den 11. Dezember 1942 durch Schlaftabletten und Gas gemeinsam das Leben.

Die Familie Klepper wurde auf dem Friedhof Nikolassee bestattet.

Am 11. Dezember 2014 wurden vor seinem ehemaligen Wohnhaus, Berlin-Nikolassee, Teutonenstraße 23, Stolpersteine für ihn und seine Familie verlegt.

Quellenverzeichnis:
Jochen Klepper– Sein Leben, seine Lieder und sein Tod – EKD www.ekd.de
Jochen Klepper– Ökumenisches Heiligenlexikon
www.heiligenlexikon.de
Deutsche Biographie – Klepper, Jochen
www.deutsche-biographie.de
Porträtfoto Jochen Klepper
www.meine- kirchenzeitung.de
Gruppenbild Titelseite Buch: Harald Seubert, „Auch wer zur Nacht geweinet“ – Jochen Klepper (1903-1942) Eine Vergegenwärtigung

Petra Schaefer

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Gertrud Feiertag

STRASSENNAMEN IM BORNSTEDTER FELD

Gertrud Feiertag

(* 4. Juli 1890 in Berlin, + Spätsommer 1943 im KZ Auschwitz verschollen)

Gertrud Feiertag ist mit drei Geschwistern in einer gutsituierten jüdisch angepassten Kaufmannsfamilie aufgewachsen. Sie besuchte 1897 – 1906 die Luisen-Schule in Berlin. Danach führte sie fünf Jahre, bedingt durch den Tod Ihrer Mutter, den Familienhaushalt. 1911 -1913 absolvierte sie im Pestalozzi – Fröbel – Haus eine Ausbildung zur Kindergärtnerin und Jugendleiterin.

Nach verschiedenen pädagogischen Anstellungen kaufte sie mit finanzieller Unterstützung ihres Bruders eine Villa in Caputh und eröffnete am 1. Mai 1931 ihr Jüdisches Landschulheim Caputh. Ziel war die Erziehung zum Jüdischen mit besonderer Aufmerksamkeit der jüdischen Geschichte. Als Fremdsprachen wurden Englisch und Französisch unterrichtet. Wert wurde auch auf die schöngeistige Bildung wie Zeichnen, Basteln, Gedichte, Musik-und Theaterstücke gelegt.

In der Progromnacht vom 9. auf den 10 November 1938 wurde das Landschulheim überfallen, die Heimbewohner wurden aufgefordert, die Villa sofort zu verlassen. Nach Schließung des Heimes arbeitete Gertrud Feiertag in Berlin und unterstützte jüdische Hilfsorganisationen zur Verschickung von jüdischen Waisenkindern ins Ausland. Persönlich lehnte sie eine Flucht ab. Am 17. Mai 1943 wurde sie nach Auschwitz gebracht. Ein offizielles Todesdatum ist nicht bekannt, im Bundesarchiv Koblenz heißt es diesbezüglich: „1943 in Auschwitz verschollen“.

In Caputh ist Gertrud Feiertag und Ihr Heim jedoch nach wie vor nicht vergessen. 1986 wurde das inzwischen als Kinderheim genutzte Anwesen nach Anne Frank benannt. Seit 1997 verwaltet die Soziale Hilfen in Berlin/ Brandenburg (SHBB), ein anerkannter freier Träger der Jugendhilfe, die Einrichtung als modernes Jugendhilfezentrum. Zum 70. Jahrestag der Progrome wurde das Haus im November 2008 in Jugendhilfezentrum „Gertrud Feiertag“ umbenannt. 2009 wurde zu Ehren von Gertrud Feiertag ein Stolperstein in der Potsdamer Straße am Eingang zum Jugendhilfezentrum gelegt. Zum diesjährigen 90. Gedenktag der Gründung am 1. Mai war eine Ausstellung zur Geschichte des Landschulheimes und die Ernennung von Gertrud Feiertag zur Ehrenbürgerin in Caputh geplant. Durch die aktuelle Situation sind die Feierlichkeiten und die Ausstellung jedoch voraussichtlich auf Juli verschoben.

Quellenverzeichnis
1 Titelbild: Eingang zum Jugendhilfezentrum Gertrud Feiertag in Caputh Axel Hindemith / Lizenz:
 Creative Commons CC-by-sa-3.0 de
2 Gertrud Feiertag, Lebensweg: https://de.wikipedia.org/wiki/Gertrud_Feiertag
3 Träger Jugendhilfezentrum Caputh: https://www.shbb-potsdam.de/
4 Hildegard Feidel-Mertz/Andreas Paetz: Das Jüdische Kinder- und Landschulheim Caputh (1931-1938), Ein verlorenes Paradies, Bad Heilbrunn 2009

Karl-Heinz Daum

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Straßennamen im Bornstedter Feld (GK)

Titelbild Gustav Kiepenheuer
Bundeszentrale für politische Bildung: https://m.bpb.de/

STRASSENNAMEN IM BORNSTEDTER FELD

Gustav Kiepenheuer

Die Kiepenheuerallee wurde nach Gustav Kiepenheuer benannt, der am 10.06.1880 in Wengern (Ruhr) geboren wurde. Gustav Kiepenheuer absolvierte eine Ausbildung zum Buchhändler in Bremen.

In Weimar übernahm er 1908 die Hof-, Buch-, Kunst- und Musikhandlung und gründete 1909 den Gustav Kiepenheuer Verlag. An die Weimarer Tradition anknüpfend, verlegte er zunächst Klassiker der deutschen wie der Weltliteratur. Das Programm der ersten Jahre betonte bereits den modern-bibliophilen Charakter des Verlags: Die gesammelten Märchen von H. Chr. Andersen, „Alice im Wunderland“ von Lewis Carroll, „Peter Pan im Waldpark“ von I. M. Barrie waren ebenso kostbar ausgestattet und illustriert wie Werke von Flaubert, Oscar Wilde, Gogol und E. T. A. Hoffmann.

1919 zog der Verlag nach Potsdam um. Als Autoren stießen Andre` Gide , Bert Brecht, George Bernhard Shaw, Lion Feuchtwanger, Arnold Zweig und Anna Seghers hinzu, die für ein linksbürgerliches Programm standen.

Nach dem erneuten Umzug 1929 nach Berlin konnten auch Gottfried Benn, Marieluise Fleißer und Joseph Roth gewonnen werden; damit veröffentlichte ein Großteil der belletristischen Schriftsteller-Elite zwischen den Weltkriegen seine Werke bei Kiepenheuer. Zweigs Streit um den Sergeanten Grisha war das erfolgreichste Buch in der frühen Verlagsgeschichte.

Im Dritten Reich wurden die meisten seiner Autoren mit Berufsverbot belegt, so dass er sich in dieser Zeit auf Nachdrucke älterer Werke und Übersetzungen beschränkte. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte Gustav Kiepenheuer 1945 auf Einladung der Thüringischen Landesregierung nach Weimar zurück und beschloss 1947, gemeinsam mit Joseph Caspar Witsch einen neuen Verlag zu gründen. Kiepenheuer verstarb aber 1949 nach langer Krankheit noch vor der geplanten Neugründung.

Seine Bestattung fand auf dem Ehrengräberfeld des Historischen Friedhofs in Weimar statt.

Seine Witwe Noa (dritte Ehefrau, Heirat 1925) führte den Verlag in der DDR fort,

Witsch gründete 1951 seinen Verlag unter dem Namen Kiepenheuer & Witsch in Westdeutschland.

Der Kiepenheuer Verlag blieb unter diesem Namen in der DDR erhalten und wurde nach seinem Ankauf durch die SED von 1977 bis 1990 im Rahmen der Kiepenheuer-Verlagsgruppe tätig, zu der noch die Verlage Insel, Paul List und Dieterich’sche Verlagsbuchhandlung gehörten.

Die Wende von 1989 führte nach einem längeren Hin und Her dazu, dass der Verlag 1994 in die Berliner Aufbau-Verlagsgruppe des Verlegers Bernd F. Lunkewitz eingegliedert wurde. Im Jahre 2010 wurde der Betrieb des Kiepenheuer Verlags von der Aufbau-Gruppe eingestellt.

Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Gustav_Kiepenheuer_Verlag

https://de.wikipedia.org/wiki/Gustav_Kiepenheuer

Bettina Hürlimann: Kiepenheuer, Gustav. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 11, Duncker & Humblot, Berlin 1977, ISBN 3-428-00192-3, S. 592 f.

Titelbild Gustav Kiepenheuer 
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Petra Schaefer

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Potsdams russische Wurzeln (6)

2. Teil des Gesprächs mit dem Erzdiakon der russisch-orthodoxen Alexander-Newski-Gedächtniskirche,

Teil 6 der Serie „Potsdams russische Wurzeln“

Beitrag im Magazin „Der Potsdamer“
Quelle und LInk zum vollständigen Beitrag : Der-Potsdamer.de

Als vor 34 Jahren der damals elf Jahre alte Daniel Koljada mit seinen Eltern und seinen Geschwistern aus der Sowjetunion nach Potsdam kam, war die russisch-orthodoxe Alexander-Newski Gedächtniskirche seit fast 20 Jahren geschlossen. Der letzte Priester war Nikolai Marković, der von 1948 bis 1968 der Kirche diente. Von 1968 bis 1986 hatte die Kirche keinen Priester. Nur einmal im Jahr kam ein Priester aus Berlin für einen Gottesdienst in die kleine Gemeinde nach Potsdam.
Im Interview mit dem POTSDAMER erzählt der heutige Erzdijakon der russisch-orthodoxen Alexander-Newski Gedächtniskirche in Potsdam, wie sich die Gemeinde seitdem entwickelt hat.

Koljada beim nächtlichen Ostergottesdienst
Fotos: privat

Wie viele Gemeindemitglieder zählt Ihre Kirche und wie hoch ist der Anteil von Jugendlichen unter ihnen?
Wir haben eine freiwillige Registrierung der Gemeindemitglieder, und die sind jetzt so um die 850 Leute. Aber unser Einzugsgebiet ist ja nicht nur Potsdam, sondern Potsdam-Mittelmark, Potsdam-Fläming, Spandau und Zehlendorf aus Berlin. Manchmal kommen auch Leute aus Hannover zum Gottesdienst. Jeder, der sich orthodox nennt und dem Glauben angehört, kann in unsere Kirche kommen. Wir haben auch Bulgaren und Griechen in der Gemeine. Einer ist in der jüdischen Gemeinde, der andere orthodox. Der Anteil der Jugendlichen ist etwa wie der in Deutschland. Weil es in unserem Glauben üblicher ist, mehrere Kinder zu haben, ist der an Kindern und Jugendlichen in unserer Kirchengemeinde etwas höher. Wir haben auch eine Sonntagsschule für Kinder, die seit zehn Jahren besteht und immer stetig wächst.

Sind die heutigen Jugendlichen Ihrer Meinung nach noch nah an Gott?
Die heutige Jugend hat etwas andere Werte und eine andere Weltanschauung als die Jugend meiner Generation. Die Vermittling des Glaubes hängt sehr stark von der Familie ab. Früher war es so, dass einem in der Schule eine erste Sicht auf die Welt mitgegeben wurde. Heutzutage ist die Schule vor allem dazu da, um Wissen zu vermitteln. Sie gibt einem also keine weltanschauliche Richtung mehr vor. Du kannst frei entscheiden, was du machen willst. Denen, die etwas mehr Zuwendung und Orientierung benötigen, weil sie sich in dieser Welt sonst verloren fühlen oder Probleme in der Schule, zu Hause oder unter ihren Freunden haben, helfen wir intensiver.
Ich finde es sehr wichtig, in der Gemeindearbeit auch Probleme in der Familie anzusprechen und die Eltern zu motivieren, dass sie die Kinder wenigstens mit der Kultur oder mit der Religion bekanntmachen, um ihnen eine Identität zu vermitten.
Früher war es Tradition, dass man getauft wurde, wenn man aus Russland kam. Wenn man erwachsen war, war die kirliche Trauung selbstverständlich. Heute ist das anders. Wir als Kirche taufen erst, wenn wir sehen, dass die Familie bzw. eine Person selbst ein richtiger Christ ist.

Wie möchten Sie Jugendliche wieder näher zur Kirche bringen?
Leider verfügen wir über keine großen Möglichkeiten, kostspielige und aufwendige Maßnahmen mit der Jugend und überhaupt der Gemeinde durchzuführen, weil wir keine eigenen Räumlichkeiten dafür haben. Wir müssen also Räume anmieten, wenn wir sie brauchen. Weil die Gemeinde zu groß geworden ist, arbeiten wir schon seit Jahren an dem Projekt des Gemeindezentrums, das jetzt in die Baugenehmigungsphase geht. Wir verhandeln derzeit noch mit der Stadtverwaltung über Konditionen für das Grundstück und können es hoffentlich bald bauen. Erst dort werden wir dann die Möglichkeiten haben, mehr Präsenz zu zeigen und mehr Jugendarbeit leisten zu können. Aber auch so haben wir Bibelstunde für Erwachsene und Katechetenunterricht. Für die Kinder haben wir Sonntagsschule. Die gehen regelmäßig mit dieser Schule zu Ausflügen, haben Veranstaltungen, Vorführungen zu jedem großen Fest wie Ostern oder Weihnachten.

Schüler der Sonntagsschule während eines Theaterstücks, zu Hause bei Koljadas.

Welche Riten werden bei Ihnen am häufigsten abgehalten?
In Rahmen unserer Gottesdienste gibt es einige. Dazu kommen Beichten und die Heilige Kommunion, als eingenständige Sacramente natürlich Taufen, dann kirchliche Trauungen und Begräbnisse. Wir begleiten den Menschen also von der Geburt bis zum Tod.

Aufgrund des Risikos einer Corona-Infektion sind viele Menschen weiterhin gezwungen, ihre sozialen Kontakte erheblich einzuschränken. Wie gehen Sie mit dieser Situation um?
Was mich an der ersten Welle gestört hat, ist, dass die Regierung gleich die Kirchen mit in die Restriktionen aufgenommen hat. Das war für alle ein sehr großer Einschnitt, dass wir nicht öffentlich dienen konnten und die Gottesdienste ohne Gemeindemitglieder abhalten mussten. Gott sei Dank haben wir eine Familie, die den kompletten Gottesdienst selbst abhalten kann. Ich als Diakon, mein Vater Priester, meine Frau als Chorleiterin kann singen und meine Söhne als Ministranten. Ein Gottesdienst kann daher fast normal ablaufen. Wir haben es einen Monat lang so gemacht und es live im Internet übertragen, damit die Gemeindemitglieder es auch zu Hause verfolgen und beten konnten.
Die Menschen brauchen die Kirche als Ort, wo sie zu Gott beten und das Gespräch finden können. Der Mensch braucht einen Bezugspunkt und er braucht andere Menschen, mit denen er sich austauschen kann. Zwischendurch konnten wir uns im kleinen Rahmen wieder versammeln und Gottesdienste abhalten – natürlich unter Einhaltung aller Bedingungen. Die Maske tragen, Abstand halten, das regelmäßige Desinfizieren und sowas alles. Wir hatten auch in der Diözese eine Priesterversammlung, wo wir diese Maßnahmen genau abgesprochen haben, damit unseren Kirche nicht zu einem Infektionshotspot wird.
Leider sind auch viele Feste ausgefallen, so zum Beispiel Ostern. Seit dem 16. Dezember 2020 gelten in Potsdam die Vorschriften der dritten Eindämmungsverordnung des Landes Brandenburg. Gottesdienste können wir auch weiterhin in unserer Kirchen nur unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln durchführen. Aktuell werden bei uns maximal 20 bis 25 Personen zum Gottesdienst zugelassen. Eine Voranmeldung – telefonisch o. per E-Mail – ist für die Teilnahme obligatorisch. Selbstverständlich achten wir auf die Maskenpflicht, die Zugangsbeschränkungen und die allgemeinen Regeln für den Kirchenbesuch.
Wir wissen nicht, wie es weitergehen wird, was für uns sehr schwierig ist, weil wir mit den Menschen direkt in Kontakt treten müssen. Ohne eine direkte Kommunikation kann ja keine richtige Seelsorge betrieben werden. Wir können unsere Gemeindemitglieder nicht nur telefonisch trösten oder die Taufe oder die Begräbnisse online begleiten. Trotzdem sind wir über alle Kanäle offen. Wir sind modern eingestellt, so dass die Menschen unseren Gottesdiensten auch online folgen können, wenn sie zu uns nicht kommen können.

Familie Koljada zu Weihnachten

Welche Herausforderung sehen Sie darin, wenn Menschen gezwungen sind, voneinander Abstand zu halten? Welche Lehren sollten man aus der Corona-Pandemie ziehen?
Es ist, hoffe ich, nur eine vorübergehende Sache. Die Gesundheit aller muss an erster Stelle stehen. Und, Gott sei Dank, haben die meisten Verständnis dafür. Natürlich ist es ein großer Einschnit in unsere Gewohnheiten. Erst jetzt begreifen die Menschen, was ihnen die persönlichen Kontakte bedeuten. Mann erlebt aber auch die große Hilfsbereischaft anderer, die besonders betroffene ältere Menschen unterstützen, für sie z.B. den Einkauf erledigen.
Corona stellt für uns alle also eine sehr große Herausforderung dar. Wenn wir uns aber auf die wesentlichen Dinge besinnen, an unsere Mitmenschen denken und Rücksicht nehmen, werden wir diese Zeit gut überstehen.

Ist die russisch-orthodoxe Alexander Newski Gedächtniskirche in Potsdam eine kleine Insel der russischen Welt? Womit hier vor allem die russische Seele gemeint ist.
Nein, wir sehen uns nicht nur so. Unsere Gemeindemitglieder sind mehrheitlich Deutsche. Und was die russische Seele betrifft, dann können wir uns schon verstehen, weil wir ja diese Bindung zur Kultur haben. Wir sind auch nicht von Russland abhängig. Wir sind eine eigenständige Kirche in Deutschland und haben auch einen Status hier im Land Brandenburg als Körpeschaft öffentlichen Rechts wie auch die anderen großen Kirchen. Und deshalb leben wir auch nach hiesigen Gesetzen sowie nach Statuten von Glaubenslehren der russisch-orthodoxen Kirche.

Von der Taufe über die Hochzeit bis hin zur Beerdigung, die Kirche ist stets an der Seite der Menschen.

Hier in Deutschland habe ich viele Menschen getroffen, die russische Wurzeln haben. Viele von ihnen kamen nach dem Zusammenbruch der UdSSR hierher. Mit dem Leben in Deutschland sind sie zufrieden. Jedoch geben sie zu, dass ihre Seele in Russland geblieben ist und sie eine ständige Sehnsucht nach ihrer alten Heimat spüren. Wie können Sie diesen helfen?
Das erleben wir jeden Tag. Weil die Kirche in dem russischen Dorf Alexandrowka steht, wo sogar die Häuser „altrussisch“ aussehen und die Kirche im russisch-klassizistischen Stil erbaut wurde, sagen viele Besucher – „das sieht hier aus wie in Russland“ oder „das ist wie in meiner Heimat“, „das ist ein Stückchen Rußland mitten in Potsdam“. Und dazu kommen noch unsere Gottesdienste, die mehrheitlich auf Kirchen-Slawisch abgehalten werden, da kommen die Heimatgefühle zurück, und wir versuchen diesen „Hunger“ nach der Heimat mit unseren Gottesdiensten, unserer Gemeindearbeit und persönlichen Gesprächen ein wenig zu stillen.

Das Gespräch mit Herrn Koljada führte Femida Selimova.

Quelle und LInk zum vollständigen Beitrag : Der-Potsdamer.de

Mit freundlicher Genehmigung durch:
POTSDAMER – Magazin der Havelregion
Herausgeber: Steve Schulz (V.i.S.d.P.)

Links zu den bisherigen Beiträgen:
Potsdams russische Wurzeln Teil 1: Der vergessene Freund
Potsdams russische Wurzeln Teil 2: Kolonie Alexandrowka
Potsdams russische Wurzeln Teil 3: Eine Kirche fürs Dorf
Potsdams russische Wurzeln Teil 4: Leben wie vor 200 Jahren
Potsdams russische Wurzeln Teil 5: Erzdiakon Daniel Koljada
Potsdams russische Wurzeln Teil 6: Erzdiakon Daniel Koljada

Jakob Paul von Gundling

Bundesgartenschau 2001 – Beginn der Nutzung des Bornstedter Feldes
In den historischen Potsdamer Parkanlagen, wie Park Sanssouci, Neuer Garten und Park Babelsberg sind sportliche und spielerische Tätigkeiten, Radfahren, Skaten, Fußball- oder Volleyballspielen, in der Regel verboten. Mit dem Abzug der sowjetischen Streitkräfte 1998 aus dem bis dahin militärisch genutzten Bornstedter Feld wurde mit der Planung der Bundesgartenschau 2001 in diesem Gebiet die Möglichkeit geschaffen, es als Volkspark zu nutzen. Hier ist preiswert (Jahreskarte 19 €) Platz für Spiel und Spaß!

STRASSENNAMEN IM BORNSTEDTER FELD

Jakob Paul von Gundling
(* 19. August 1673 in Hersbruck, + 11. April 1731 in Potsdam)

Freiherr von Gundling entstammt einer protestantischen Familie aus dem mittelfränkischen Landkreis Nürnberger Land. Sein Vater Wolfgang war Pfarrer, sein Großvater Johann Vogel Dichter.

Er besuchte die Landesschule Pforta bei Naumburg (1690 bis 1692), studierte Rechtswissenschaften und Geschichte an den Universitäten Altdorf, Helmstedt, Jena und Halle.

1705 berief ihn König Friedrich I. von Preußen  zum Professor für Geschichte und Recht an die Berliner Ritterakademie und 1706 zum Historiker an das Oberheroldsamt.

Nach dem Tod Friedrich I. wurde er von seinem Sohn, König Friedrich Wilhelm I., 1713 zum Hofrat, seinem Zeitungsreferenten und Historiographen ernannt. Über Gundling wird zwiespältig berichtet, als Wissenschaftler und Hofnarr. Im Tabakskollegium des Königs (gesellige, höfische Männerdiskussionsrunde mit Tabak und Alkohol) spielte er unfreiwillig, aufgrund seiner Eitelkeit und Trunksucht, eher den Hofnarren. Darunter litt Gundling sehr und bekam wahrscheinlich wegen seiner Demütigungen und dauernden Erniedrigungen Magengeschwüre. Der König übertrug ihm, so wird es von seinen Gegnern berichtet, um ihn und den Gelehrtenstand verächtlich zu machen, aber dennoch, mehrere hohe Staatsämter. Er ernannte ihn 1718 zum Präsident der Preußischen Akademie der Wissenschaften und erhob ihn am 25. September 1724 in den Freiherrenstand. Gundling schrieb und veröffentlichte historisch-biografische Texte und fundierte Landesbeschreibungen von Brandenburg und Pommern unter anderem 1724 eine Karte des Kurfürstentums Brandenburg.

Auf Anordnung des Königs wurde Gundling sehr unwürdig beerdigt. Von Schweinen soll er in einem Weinfaß zum Bornstedter Kirchhof gezogen worden sein. In der Kirche ist noch heute seine Grabinschrift zu sehen.

Zusammengefaßt kann man die Lebensgeschichte Gundlings im Kurzfilm der Potdamer Jahreskampagnie 2013 „Wissenschaft für die Zukunft“ gut nachverfolgen:
https://www.youtube.com/watch?v=UA8VyCXdZpI
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Quellenverzeichnis

1 Bundesgartenschau:
Michael Kasiske, Thies Schröder, „Gartenkunst 2001“ Potsdam Bundesgartenschau, Birkhäuser – Verlag für Architektur 2001, S. 131
2 Georg Hermann-Allee und Querstraßen, Karte:
https://potsdam-bornstedt.de/
19.3.2021
3 Jacob Paul von Gundling:
https://de.wikipedia.org/wiki/Jacob_Paul_von_Gundling
19.3.2021
4 Jacob Paul von Gundling: https://www.potsdam.de/content/jakob-paul-freiherr-von-gundling 19.3.2021
5 Film Jacob Paul von Gundling – Potsdam – Wissenschaft für die Zukunft: https://www.youtube.com/watch?v=UA8VyCXdZpI 19.3.2021

Karl-Heinz Daum

Straßennamen im Bornstedter Feld
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Potsdams russische Wurzeln (4)

LEBEN WIE VOR 200 JAHREN

Teil 4 der Serie „Potsdams russische Wurzeln“

Beitrag im Magazin „Der Potsdamer“ vom 3.10.2020
Quelle und LInk zum vollständigen Beitrag : Der-Potsdamer.de

Zum Teil kaputt und fast schon vergessen steht die Kolonie Alexandrowka um das Jahr 2000 mitten in Potsdam. Es wirkte, als ob nicht mehr viel Glanz und Ruhm von den alten Tagen an den Häusern zu erkennen war. Sogar Kleingärten waren inmitten der eigentlich so historischen Anlage eingebaut und entfremden das Gelände von seiner eigentlichen Schönheit. Doch das Blatt wendete sich durch die Menschen, die auch heute noch die Kolonie Alexandrowka pflegen und teilweise sogar ihre Heimat nennen.

AM ANFANG WAR NICHT ALLES LEICHT

Thomas A. bewohnt zusammen mit seiner Partnerin eines dieser historischen Holzhäuschen, das er seit 2002 sein Eigenen nennen darf. Zuvor gehörten die Häuser noch der Stadt Potsdam und wurden durch sie vermietet. Ab etwa den 2000er Jahren wurden den damaligen Bewohnern, die Häuser, in denen sie zur Miete wohnten, zum Kauf angeboten. Manche Objekte wechselten auch durch ein Bieterverfahren den Besitzer.

Im Garten von Thomas A. Foto: kb

Bei einem solchen Verfahren erhielt Thomas A. den Zuschlag für sein heutiges Haus, das eine Wohnfläche von etwa 130 m² hat. Allerdings war die Immobilie nur noch zur Hälfte bewohnbar. Die andere Hälfte war eingefallen und hatte ein undichtes Dach. „Der Kaufpreis machte letztendlich nur ein Drittel von dem aus, was im Laufe der Zeit für die Restaurierung und den Wiederaufbau ausgegeben werden musste“, erklärt Thomas A. im Gespräch mit dem POTSDAMER. „Allgemein sei man bei so einem Objekt mit etwa einer halben Million Euro im realistischen Rahmen“, fügt er hinzu. Dazu kommen zahlreiche Auflagen, die wegen des Denkmalschutzes zu beachten sind. Im Fall der Alexandrowka betrifft das nicht nur einzelne Bestandteile, sondern das komplette Objekt von innen mit seinen Räumlichkeiten, von außen an der Fassade und dem Dach sowie dem gesamten Gelände mit Garten. Selbst für die Rahmen der Fenster gibt es genaue Vorgaben, wie und aus welchem Material diese gebaut werden müssen. So musste Thomas A. seine Fenster zweimal bearbeiten, weil sich die Vorgaben der Denkmalschutzbehörde änderten.

EINE OASE MITTEN IN DER STADT

Es sei manchmal ein kleiner Kampf um Genehmigungen gewesen. Trotzdem zieht Thomas A. nach knapp zwei Jahrzehnten ein positives Resümee: „Es ist toll hier, mitten in der Stadt in so einer Oase zu wohnen, zwar nicht immer ruhig aber immer mit einem weiten Blick ins Grüne“, sagt Thomas A. mit einem Lächeln im Gesicht. Der Ärger und der Stress aus den Jahren 2002 und 2003 wird durch das Wohnen und Leben in diesem historischen Umfeld entschädigt. Heute genießt Thomas A. eine Art Landleben mitten in Potsdam. Von einer eigenen Obst- und Gemüsezucht bis zum Hacken von Holz für den heimischen Ofen sei es für ihn fast wie ein Leben in einem Dorf.Haus Nr. 8 – Eines der heutigen Wohnhäuser. Nach dem Kauf in der Phase der Restaurierung (um 2002) Foto: Dr. Hermann Kremer

Haus Nr. 8 – Eines der heutigen Wohnhäuser. Nach dem Kauf in der Phase der Restaurierung (um 2002) Foto: Dr. Hermann Kremer

Die nachbarschaftliche Gemeinschaft beschreibt Thomas A. als „Nähe mit Abstand“. Man kenne und grüße sich, trotzdem gibt es relativ wenig direkten Kontakt zu den anderen Bewohnern der Kolonie. Er sehe es als Privileg, in dieser historischen Kolonie leben zu dürfen. Zwar habe er keinen Bezug zur russischen Kultur, finde aber, dass man in dem Haus ohnehin viel preußische Architektur sehen kann. Immerhin seien bei der Restaurierung des Hauses viele kleine Details zutage gefördert worden, die zeigen, wie preußisch die „russische“ Kolonie eigentlich ist. Denkt man nur an die Fachwerkkonstruktion des Hauses, die nicht gerade typisch russisch ist.
Das Idyll wird aber in regelmäßigen Abständen durch neue kleinere Sanierungen durchbrochen, die am Haus notwendig werden. Mit der umfangreichen Restaurierung in den ersten Jahren war es noch lange nicht getan. Immer wieder finden sich kleinere Mängel, die behoben werden müssen. „Man muss immer am Ball bleiben mit so einem Denkmal“, beschreibt Thomas A. das Leben im historischen Holzhaus.

FERIEN IM DORF

Wie schon die ursprünglichen Bewohner der Kolonie Alexandrowka, vermietet Thomas A. auf seinem Grundstück direkt neben dem Haus einen kleinen und sehr liebevoll umgebauten Stall als Ferienwohnung, die von zwei bis vier Personen bewohnt werden kann. Somit wird hier das historische Erbe der ursprünglichen Bewohner der Kolonie weiter gelebt. Wir erinnern uns – zur Zeiten der russischen ‚Sänger-Soldaten‘ vermieteten diese auch Teile ihres Hauses an Frischluft-Willige Berliner, die dem Lärm und dem Gestank der großen Metropole entfliehen wollten.
Betritt man das Grundstück von Thomas A. wird es plötzlich still. Es ergreift einen das Gefühl, direkt in einem Dorf zu sein. Zwischen dem eigentlichen Haus und der kleinen Ferienwohnung befindet sich ein gepflasterter Hof, der nach nur wenigen Metern in den Garten führt. Das Haus selbst ist umringt von zahlreichen Pflanzen und einigen Bäumen im Garten, die sich auf der weiten Rasenfläche verteilen. Von hier kann man auch die anderen Häuser der Kolonie sehen. Doch der Schein, dass es sich hierbei um einen großen Garten handelt, trügt. Nur wenige Meter Rasenfläche gehören zum Haus. Dahinter folgt eine kleine lose Abgrenzung mit wenigen in einer Linie gepflanzten Bäumen, die wiederum dahinter in eine Rasenfläche münden. Diese Fläche gehört der Stadt Potsdam und wird durch jene auch bewirtschaftet und verwaltet. Allerdings leben die Bewohner der Kolonie im gärtnerischen Einklang mit der Stadt, so dass zu Fuß begangene Überschreitungen der Grundstücksgrenzen kein Problem sind.In diesem Haus befindet sich heute das Museum Alexandrowka.

In diesem Haus befindet sich heute das Museum. Foto: kb

DAS MUSEUM IM DORF

Eher zufällig fand zu Beginn der 2000er Jahren der aus Nordrhein-Westfalen stammende Hermann Kremer zur Kolonie Alexandrowka. Bei einer Reise durch Potsdam war er verwundert, warum sich mitten in der Stadt ein kleines Dorf aus hölzernen russischen Häusern befindet. Durch Zufall entdeckte er einen Aushang an einem der Häuser, welcher das Haus zum Verkauf anbot. Und so geschah es, dass Hermann Kremer ebenfalls im Bieterverfahren 2002 den Zuschlag für das Haus Nr. 8 erhielt. Schnell kam ihm die Idee, das Haus anders zu nutzen als nur darin zu wohnen. Eine Art Café sollte es werden. Doch das stellte sich als schwieriger heraus als zunächst geplant. So vermietet Kremer zuerst das Haus an private Nutzer. Auch im Fall von Kremer war das Haus zum Zeitpunkt des Kaufes in einem schlechten Zustand. Unter Einhaltung des geltenden Denkmalschutzes musste zuvor das Haus also wieder aufgebaut werden.Haus Nr. 2 – Während der Restaurierung. Heute ist hier das Museum (um 2002)  Foto: Dr. Hermann Kremer

Haus Nr. 2 – Während der Restaurierung. Heute ist hier das Museum (um 2002) Foto: Dr. Hermann Kremer

Seine Idee, die Kolonie Alexandrowka auch anderweitig als nur zum Wohnen zu nutzen, gewann wieder an Aufschwung als relativ zeitnahe auch das Haus Nr. 2 zum Kauf angeboten wurde, das früher von einer Familie in fünfter Generation bewohnt wurde. Da die Grundfläche des Objektes größer ist und sich somit gut für ein Café und Ähnliches eignete, beschloss Kremer, sich für die Ausschreibung zu bewerben und erhielt kurz darauf den Zuschlag der Stadt. Auch hier musste eine denkmalgerechte Restaurierung erfolgen, die in ihrer Bauzeit bis zur kompletten Fertigstellung etwa drei Jahre in Anspruch genommen hat. Studenten der TU-Berlin wirkten an der Rekonstruktion des Hauses mit, indem sie das Gebäude ein ganzes Jahr wissenschaftlich untersuchten. Das Ergebnis waren sieben Bände voller historischer und architektonischer Erkenntnisse. Im Jahr 2005 konnte das Museum sowie das Gartencafé im Haus Nr. 2 für die Besucher öffnen.
Kremers Ziel ist es, die historische Bedeutung der Kolonie Alexandrowka zu erhalten und zu sichern. Daher war er auch an der Gründung der ‚Potsdam-Stiftung‘ beteiligt, die heute das Museum verwaltet. Im Haus können sich heute Interessierte über die Geschichte der Kolonie und die damit verbundenen Persönlichkeiten informieren. Zahlreiche Informationstafeln und Modelle der Kolonie und der Häuser sind im Inneren zu finden.
Im Garten befindet sich das Café, in welchem bis zu 40 Gäste Platz finden, um bei einer Tasse Kaffee die Atmosphäre, die von diesem russisch-preußischen Bauwerk ausgeht, zu genießen.
Menschen mit viel Energie und dem Willen, diese historische Anlage zu erhalten, tragen heute unter anderem dazu bei, dass die Kolonie wieder lebendig und so geworden ist, wie wir sie heute kennen und schätzen.

kb

Quelle und Link zum vollständigen Beitrag einschließlich Bilder:
Der-Potsdamer.de/leben-wie-vor-200-jahren/

Mit freundlicher Genehmigung durch:
POTSDAMER – Magazin der Havelregion
Herausgeber: Steve Schulz (V.i.S.d.P.)

Links zu den bisherigen Beiträgen:
Potsdams russische Wurzeln Teil 1: Der vergessene Freund
Potsdams russische Wurzeln Teil 2: Kolonie Alexandrowka
Potsdams russische Wurzeln Teil 3: Eine Kirche fürs Dorf
Potsdams russische Wurzeln Teil 4: Leben wie vor 200 Jahren
Potsdams russische Wurzeln Teil 5: Erzdiakon Daniel Koljada
Potsdams russische Wurzeln Teil 6: Erzdiakon Daniel Koljada

Straßennamen im Bornstedter Feld (BN)

STRASSENNAMEN IM BORNSTEDTER FELD

Bartolomäus Neumann (* unbekannt, + 10. Mai 1742)

Buchdrucker und Verleger, bemerkenswert ist, er erhielt als erster von Friedrich Wilhelm I. die Konzession für eine Buchdruckerei in Potsdam. Neumann verlegte unter anderem Gundlings Brandenburgischen Atlas (1724).

Auch interessant, in der Bartholomäus-Neumann-Straße 15 befindet sich ein Mehrgenerationenhaus. KONVOI.Potsdam e.V., ein Modellprojekt für gemeinschaftliches generationsübergreifendes Miet-Wohnen in der Landeshauptstadt Potsdam. Auf der Internetseite wird darüber berichtet. Es gibt Anderthalb- (42 qm), Zwei- (52 qm), Drei- (72 qm) und Vier-Zimmer-Wohnungen (98 qm). Weitere Informationen unter www.konvoi-potsdam.de

Quellenverzeichnis:

1 Bartholomäus Neumann
           https://www.zeitstimmen.de/index.php?page=autor&is_autor=2309

2 Konvoi.Potsdam e.V.
              http://konvoi-potsdam.de/

Karl-Heinz Daum

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Straßennamen im Bornstedter Feld (CCH)

Titelbild: Carl Christian Horvath um 1820 Quelle: Rochow-Museum Reckahn

STRASSENNAMEN IM BORNSTEDTER FELD

Carl Christian Horvath

Carl Christian Horvath wurde 1752 in Wittenberg geboren. Nach dem Besuch der Stadtschule trat er mit 14 Jahren eine Buchhändlerlehre in seiner Heimatstadt an. Bereits als 16-Jähriger wurde er von seinem Lehrmeister zum ersten Mal zur Messe geschickt, die er von da an bis in sein hohes Alter hinein regelmäßig besuchte. In Leipzig wurde der Buchhändler Joachim Pauli aus Berlin auf ihn aufmerksam und engagierte ihn als Gehilfen.

Nach Heirat mit der Stieftochter seines Prinzipals machte sich Horvath 1778 in Potsdam selbständig. Er übernahm von seinem Schwiegervater einen bis dahin wenig florierenden Verlag und gründete daraus die Horvath´sche Buch-, Kunst-, und Musikaliensammlung mit Leihbibliothek in Potsdam, die sich bald erfolgreich entwickelte und dem er ein umfangreiches Sortimentsgeschäft angliederte.

»Ich eröffnete nun«, so erzählt Horvath in seiner hinterlassenen Selbstbiographie, »einen Laden zugleich mit einer Lesebibliothek von 500 Bänden. Weil aber die Truppen zu der Zeit ausmarschiert waren, erschienen die Aussichten niederschlagend. Mein edler Freund Dickow (ein ihm befreundeter Kaufmann) war, als ich den Laden öffnete, der erste, der zu mir herüberkam, indem er sagte: »Ich muß der Erste sein, der Ihnen Handgeld bringt,« und er kaufte mir für 7 Thlr. 16 Gr. ab. – Wer war glücklicher als ich? – Die erste Sorge war gehoben! Nachher erhielt ich nochmals 7 Thlr. 16 Gr. von einem Herrn Schmidt aus Bornstedt, und so wurde ich aus meiner peinlichen Lage gerissen. Meine Einnahme im Juli belief sich auf 99 Thlr. 23 Gr. 1 Pfg. Mit Vertrauen auf die Vorsehung besorgte ich mein kleines Geschäft und hatte die Freude, daß es sich mit jedem Monat etwas vermehrte.“

Bis 1835 führte der nun hochbetagte Carl Christian Horvath seine Geschäfte in Potsdam. Durch beharrliche Arbeit wurde ihm viel Achtung entgegengebracht, so dass man ihn 1809 zum ersten Stadtverordnetenvorsteher Potsdams wählte und er von 1811 bis 1817 als Stadtrat im Magistrat Potsdams wirkte.

Das besondere Verdienst Horvaths ist die Gründung der Buchhändlerbörse zu Leipzig. Er mietete einen Raum, in dem er auswärtigen Buchhändlern gegen ein Eintrittsgeld Gelegenheit gab, ihre Abrechnungen während der Messe durchzuführen. Sehr bald wurde diese „Buchhändler-Börse“ zu einer allgemein genutzten und unentbehrlichen Einrichtung der Buchhändlermesse.

Das war 1824 die Grundlage für die Gründung des Börsenvereins der deutschen Buchhändler. In der Ostermesse 1825 wurde erstmals ein Börsenvorstand gewählt und Horvath zum Ehren-vorsitzenden ernannt.

Er starb 1837 in Potsdam und wurde auf dem Alten Friedhof beerdigt.

Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Christian_Horvath

Wacker, Annemarie, „Horvath, Carl Christian“
in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 647
[Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd128874619.html#ndbcontent

http://www.zeno.org/nid/20011436131

Petra Schaefer

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