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Interview (2)

Claudia Leihener, Yogalehrerin in Potsdam Bornstedt

Seit wann sind Sie Bornstedter*in?
Seit 2016.

Was tun Sie im Stadtteil Bornstedt (ich wohne/ich habe ein Unternehmen …)
Ich wohne und arbeite hier. Ich bin Inhaberin des Yoga Gold Studios in der Georg-Hermann-Allee 30.

Beschreiben Sie bitte Ihr Unternehmen.
Im Yoga Gold Studio biete ich offene Yogakurse (zur Zeit online), private Yogastunden,Yoga Workshops, Business Yoga sowie ganzheitliche Ernährungsberatung an.

Warum haben Sie sich für diesen Stadtteil entschieden?
Bornstedt ist einfach lebens- und liebenswert.

Womit überzeugt der Stadtteil?
Der Stadtteil überzeugt durch seine Familienfreundlichkeit, den Blick ins Grüne und das große Potential, welches noch in ihm steckt. Ich bin überzeugt davon, dass sich nach und nach immer mehr Potsdamer Unternehmer*innen hier ansiedeln werden um den Stadtteil zu beleben und ihn zu einem neuen Potsdamer Zentrum zu machen.

Was fehlt Ihnen bzw. was gefällt Ihnen nicht im Stadtteil?Was würden Sie gern verbessern?
Es fehlen noch einige Infrastruktur-Bausteine wie bspw. Restaurants, Cafés und und individuelle Geschäfte um das Bornstedter Stadtbild zu vervollständigen. Viele Bornstedter*innen sind auf der Suche nach Treffpunkten um gemeinsam Zeit zu verbringen. Daher war es mir auch ein wichtiges Anliegen eine Lounge Ecke in meinem Yogastudio einzurichten, in der man nach den Yogastunden noch gemütlich beisammensitzen und Tee trinken kann.

Kennen Sie Ihre Nachbarschaft? Würden Sie sie als „lebendig“ beschreiben? Haben Sie regelmäßig privaten Kontakt mit Ihren Nachbarn?
Diese Frage kann ich ganz klar mit JA beantworten. Ich bin recht gut vernetzt und freue mich über immer mehr bekannte Gesichter auf meinen Wegen durch die Nachbarschaft. Mit meinen direkten Nachbarn habe ich engen Kontakt. Wir sind sehr gut befreundet. Dazu kommt natürlich, dass man mit Kita-Kind, Hund und als Yogastudio Inhaberin immer neue Bekanntschaften auf verschiedenen Ebenen macht. Das genieße ich sehr und freue mich immer über die Offenheit und Kontaktfreude der Bornstedter*innen.

Wie hat „Corona“ Ihr Lebensgefühl/Ihre Pläne verändert?
Corona hat meinen Lebenstraum auf die Probe gestellt. Nach einigen Jahren als Yogalehrerin habe ich mir in 2020 den Traum des eigenen Yogastudios in Potsdam erfüllt. Das Studio wurde nach meinen Wünschen errichtet und die Schlüsselübergabe erfolgte am 31.10.2020 – einen Tag vor dem erneuten Lockdown. Einmal aufgeschlossen und dann hieß es wieder zuschließen. Ich fiel durch alle Raster der staatlichen Hilfen. Das war bitter. Der Winter war eine harte Zeit, sowohl finanziell als auch mental. Dennoch habe ich beschlossen für meinen Traum weiter zu kämpfen und glaube fest daran, dass 2021 vieles besser wird. Der Rückhalt meiner Familie und die Unterstützung vieler Bornstedter Yogis geben mir Hoffnung und Kraft.

Was möchten Sie als Erstes tun, wenn „Corona“ vorbei ist?
Da gibt es so viele Dinge, aber vor allem möchte ich wieder die Unbeschwertheit genießen. Sorgenfreier leben, mit meiner Familie essen gehen, mein Yogastudio öffnen, Freunde umarmen, reisen …

Haben Sie schon einmal vom Stadtteiladen Bornstedt gehört? In welchem Zusammenhang?
Der Stadtteilladen Bornstedt ist mir seit seiner Eröffnung ans Herz gewachsen. Vor Corona war ich dort auch aktiv dabei und habe Yogakurse angeboten. Es war eine tolle Zeit und so schön zu beobachten wie das Kursangebot immer vielfältiger wurde und die unterschiedlichsten Menschen die Angebote genutzt haben.

Kennen Sie die Verleihen-Initiative des Stadtteilladens?
Ja, das ist eine super Sache!.

Zu guter Letzt: was würden Sie Ihren Mitmenschen im Stadtteil (und darüber hinaus) gern noch mitteilen?
Ich bin überzeugt davon, dass diese Pandemie und die Zeit des Verzichts auch etwas Gutes hatten. Wir haben uns wieder mehr auf die wichtigen Dinge besinnen können. Die Gesundheit als höchstes Gut betrachten, mehr miteinander als gegeneinander leben und die Bedeutung des persönlichen sozialen Netzwerks für das Seelenwohl erkennen. Ich würde mir sehr wünschen, dass uns das auch “post Corona” erhalten  und das Miteinander spürbar bleibt.

Interview (1)

Kathrin K. wohnt seit fünf Jahren im Stadtteil Bornstedt. Sie ist Mutter eines Teenagers, führt ein Unternehmen in der Digitalbranche und hat eine eigene sehr erfolgreiche Software entwickelt.

Seit wann sind Sie Bornstedterin?

Seit 2016 lebe ich hier im Stadtteil.

Wie gut sind Ihre Pendlerbedingungen? Sind die ÖPVN-Verbindungen gut getaktet?

Die Straßenbahn ist ein großer Pluspunkt in Potsdam. Eine sicheres Fahrradwege-Konzept in Potsdam wäre noch besser.

Wie würden Sie einem Fremden Bornstedt beschreiben?

Wenn man sich das neue Viertel an der Georg-Hermann-Allee/J-Keppler-Str. ansieht, dort steht ein Würfel neben dem anderen. Ein typisches Beispiel, dass Technikfreudigkeit, Effizienz und Funktionalität ohne jeglichen Anspruch nach Schönheit inzwischen auch den Trend in der Architektur bestimmen. Die Fassaden dieser Mehrfamilienhäuser sind genauso monoton wie die Reihen von Nullen und Einsen – wie in der Sprache in der Maschinen miteinander reden.
Was mich noch trauriger macht: der schöne Buga-Freizeit-Park wird zerlegt und für weitere Bebauung in Häppchen verkauft. Sehr schade er war der Hauptgrund warum ich hierher gezogen bin.

Welche Veranstaltungen/Events/Einrichtungen besuchen Sie gern/regelmäßig?

Angebote in Bornstedt/Nedlitz? Es gibt sporadische Veranstaltungen für Familien im Buga-Park. Echte Einrichtungen wie Theater schöne Treffpunkte und regelmäßige Veranstaltungen lokaler Anwohner müssen sich erst noch etablieren. Für die Kultur fahre ich weiterhin in andere Stadtteile in die fabrik oder das T-Werk oder nach Babelsberg P-West.
Im Buga-Park konnte man sich gut sportlich betätigen. Die Volleyball Plätze sind allerdings schon weggerissen und der Privatisierung gewichen.

Sind Sie ehrenamtlich tätig?

Ich bin u.a. im Verwaltungsrat meiner Wohngemeinschaft engagiert.

Was gefällt Ihnen nicht, was Sie gern verbessern würden?

In meinem Wohngebiet sehe ich viele triste Plattenbauten bspw. am Nedlitzer Park. Ich frage mich, ob es in Potsdam bereits Forschung zu vertikalen Gärten oder anderen umweltfreundlichen Architekturlösungen gibt.
Man stelle sich vor, wir verkleiden diese schmucklosen Plattenbauten mit hängenden grünen Gärten und regulieren damit die Temperaturen in den Wohnungen und verbessern gleichzeitig die Luftqualität im Stadtteil, Lösungen für Regenwassernutzung und Solar-Energiegewinnung auch gleich mitgedacht … die unattraktive Platte würde zum Trendsetter. Wäre das nicht eine schöne Idee für ein modernes Fördermittel-Projekt?

Kennen Sie Ihre Nachbarschaft? Würden Sie sie als „lebendig“ beschreiben? Haben Sie regelmäßig privaten Kontakt mit Ihren Nachbarn?

Ich kenne meine unmittelbare Nachbarschaft aus unserem Haus. Nachbarn anderer Häuser überhaupt nicht. In diesem Stadtteil wird das noch viele Jahre brauchen bevor es ein WIR-Gefühl oder gewachsene Netzwerke gibt.

Wie hat „Corona“ Ihr Lebensgefühl/Ihre Pläne verändert?

Ich sitze vorwiegend im Home-Office. Die Arbeit ohne echten Austausch mit Kollegen fällt mir schwer. Meine Tochter wird mit Hausarbeit ausgelastet. Sie lässt sich schwer motivieren das Haus zu verlassen. Mir wird klar, wie sehr wir nicht nur Arbeit oder schulische Aufgaben, sondern auch gesunde Rahmenbedingungen mit Pausenroutinen, Ritualen und Strukturen benötigen. Seit einem Jahr wird uns ein Robinson-Crusoe-Leben in der Wohnung anempfohlen. Das hinterlässt Spuren.

Was möchten Sie als Erstes tun, wenn „Corona“ vorbei ist?

Nach Corona? Wir werden unser geplantes Nachbarschaftsfest mit selbstgemachtem Essen, Musik und Tanz nachholen.

Sie sind in der Digitalbranche tätig, würden Sie sagen, Deutschland hat in „Coronazeiten bewiesen, dass es im Digitalzeitalter angekommen ist?

Soll das ein Witz sein? Ich kann nicht darüber lachen.

Haben Sie schon einmal vom Stadtteiladen Bornstedt gehört? In welchem Zusammenhang? Haben Sie schon Angebote des Stadtteilladens genutzt?

Ich habe vom Stadtteilladen bislang nur gehört. Meine Nachbarin nutzte die Räume monatlich für Kurse im Volkstanz. Ansonsten hatte ich noch nicht persönlich mit der Stadtteilarbeit zu tun.

(Februar 2021)