Straßennamen im Bornstedter Feld (GF)

Georg-Hermann-Allee und Querstraßen
Von der Pappelallee in Richtung Norden durchstreift die Georg-Hermann-Allee das Bornstedter Feld, gequert von Jacob-von-Gundling-, Bartholomäus-Neumann-, Carl-Christian-Horvat-, Kiepenheuerallee, Jochen-Klepper-, Reinhold-Schneider-, Herman-Kasack-, Gertrud-Feiertag-, vorbei am Volkspark weiter zu Esplanade, Peter-Huchel-, Hans-Paasche-, Erich-Arndt- und Bonner Straße.

Gertrud Feiertag

(* 4. Juli 1890 in Berlin, + Spätsommer 1943 im KZ Auschwitz verschollen)

Gertrud Feiertag ist mit drei Geschwistern in einer gutsituierten jüdisch angepassten Kaufmannsfamilie aufgewachsen. Sie besuchte 1897 – 1906 die Luisen-Schule in Berlin. Danach führte sie fünf Jahre, bedingt durch den Tod Ihrer Mutter, den Familienhaushalt. 1911 -1913 absolvierte sie im Pestalozzi – Fröbel – Haus eine Ausbildung zur Kindergärtnerin und Jugendleiterin.

Nach verschiedenen pädagogischen Anstellungen kaufte sie mit finanzieller Unterstützung ihres Bruders eine Villa in Caputh und eröffnete am 1. Mai 1931 ihr Jüdisches Landschulheim Caputh. Ziel war die Erziehung zum Jüdischen mit besonderer Aufmerksamkeit der jüdischen Geschichte. Als Fremdsprachen wurden Englisch und Französisch unterrichtet. Wert wurde auch auf die schöngeistige Bildung wie Zeichnen, Basteln, Gedichte, Musik-und Theaterstücke gelegt.

In der Progromnacht vom 9. auf den 10 November 1938 wurde das Landschulheim überfallen, die Heimbewohner wurden aufgefordert, die Villa sofort zu verlassen. Nach Schließung des Heimes arbeitete Gertrud Feiertag in Berlin und unterstützte jüdische Hilfsorganisationen zur Verschickung von jüdischen Waisenkindern ins Ausland. Persönlich lehnte sie eine Flucht ab. Am 17. Mai 1943 wurde sie nach Auschwitz gebracht. Ein offizielles Todesdatum ist nicht bekannt, im Bundesarchiv Koblenz heißt es diesbezüglich: „1943 in Auschwitz verschollen“.

In Caputh ist Gertrud Feiertag und Ihr Heim jedoch nach wie vor nicht vergessen. 1986 wurde das inzwischen als Kinderheim genutzte Anwesen nach Anne Frank benannt. Seit 1997 verwaltet die Soziale Hilfen in Berlin/ Brandenburg (SHBB), ein anerkannter freier Träger der Jugendhilfe, die Einrichtung als modernes Jugendhilfezentrum. Zum 70. Jahrestag der Progrome wurde das Haus im November 2008 in Jugendhilfezentrum „Gertrud Feiertag“ umbenannt. 2009 wurde zu Ehren von Gertrud Feiertag ein Stolperstein in der Potsdamer Straße am Eingang zum Jugendhilfezentrum gelegt. Zum diesjährigen 90. Gedenktag der Gründung am 1. Mai war eine Ausstellung zur Geschichte des Landschulheimes und die Ernennung von Gertrud Feiertag zur Ehrenbürgerin in Caputh geplant. Durch die aktuelle Situation sind die Feierlichkeiten und die Ausstellung jedoch voraussichtlich auf Juli verschoben.

Quellenverzeichnis
1
Titelbild: Eingang zum Jugendhilfezentrum Gertrud Feiertag in Caputh
Axel Hindemith / Lizenz: Creative Commons CC-by-sa-3.0 de
2 Gertrud Feiertag, Lebensweg: https://de.wikipedia.org/wiki/Gertrud_Feiertag
3 Träger Jugendhilfezentrum Caputh: https://www.shbb-potsdam.de/

Karl-Heinz Daum