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Straßennamen im Bornstedter Feld (CCH)

Titelbild: Carl Christian Horvath um 1820 Quelle: Rochow-Museum Reckahn

Carl Christian Horvath

Carl Christian Horvath wurde 1752 in Wittenberg geboren. Nach dem Besuch der Stadtschule trat er mit 14 Jahren eine Buchhändlerlehre in seiner Heimatstadt an. Bereits als 16-Jähriger wurde er von seinem Lehrmeister zum ersten Mal zur Messe geschickt, die er von da an bis in sein hohes Alter hinein regelmäßig besuchte. In Leipzig wurde der Buchhändler Joachim Pauli aus Berlin auf ihn aufmerksam und engagierte ihn als Gehilfen.

Nach Heirat mit der Stieftochter seines Prinzipals machte sich Horvath 1778 in Potsdam selbständig. Er übernahm von seinem Schwiegervater einen bis dahin wenig florierenden Verlag und gründete daraus die Horvath´sche Buch-, Kunst-, und Musikaliensammlung mit Leihbibliothek in Potsdam, die sich bald erfolgreich entwickelte und dem er ein umfangreiches Sortimentsgeschäft angliederte.

»Ich eröffnete nun«, so erzählt Horvath in seiner hinterlassenen Selbstbiographie, »einen Laden zugleich mit einer Lesebibliothek von 500 Bänden. Weil aber die Truppen zu der Zeit ausmarschiert waren, erschienen die Aussichten niederschlagend. Mein edler Freund Dickow (ein ihm befreundeter Kaufmann) war, als ich den Laden öffnete, der erste, der zu mir herüberkam, indem er sagte: »Ich muß der Erste sein, der Ihnen Handgeld bringt,« und er kaufte mir für 7 Thlr. 16 Gr. ab. – Wer war glücklicher als ich? – Die erste Sorge war gehoben! Nachher erhielt ich nochmals 7 Thlr. 16 Gr. von einem Herrn Schmidt aus Bornstedt, und so wurde ich aus meiner peinlichen Lage gerissen. Meine Einnahme im Juli belief sich auf 99 Thlr. 23 Gr. 1 Pfg. Mit Vertrauen auf die Vorsehung besorgte ich mein kleines Geschäft und hatte die Freude, daß es sich mit jedem Monat etwas vermehrte.“

Bis 1835 führte der nun hochbetagte Carl Christian Horvath seine Geschäfte in Potsdam. Durch beharrliche Arbeit wurde ihm viel Achtung entgegengebracht, so dass man ihn 1809 zum ersten Stadtverordnetenvorsteher Potsdams wählte und er von 1811 bis 1817 als Stadtrat im Magistrat Potsdams wirkte.

Das besondere Verdienst Horvaths ist die Gründung der Buchhändlerbörse zu Leipzig. Er mietete einen Raum, in dem er auswärtigen Buchhändlern gegen ein Eintrittsgeld Gelegenheit gab, ihre Abrechnungen während der Messe durchzuführen. Sehr bald wurde diese „Buchhändler-Börse“ zu einer allgemein genutzten und unentbehrlichen Einrichtung der Buchhändlermesse.

Das war 1824 die Grundlage für die Gründung des Börsenvereins der deutschen Buchhändler. In der Ostermesse 1825 wurde erstmals ein Börsenvorstand gewählt und Horvath zum Ehren-vorsitzenden ernannt.

Er starb 1837 in Potsdam und wurde auf dem Alten Friedhof beerdigt.

Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Christian_Horvath

Wacker, Annemarie, „Horvath, Carl Christian“
in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 647
[Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd128874619.html#ndbcontent

http://www.zeno.org/nid/20011436131

Petra Schaefer

Lockdown bis 28.3. – aber …

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Corona-Updates für Potsdam: www.Potsdam.de/Corona-Updates…
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Kabinett verständigt sich über Öffnungsschritte: Siebte SARS-CoV-2 Eindämmungsverordnung soll morgen beschlossen werden

Zu den Ergebnissen der Kabinettssitzung teilt Regierungssprecher Florian Engels mit:

veröffentlicht am 05.03.2021

Der Lockdown zur Bekämpfung der Corona-Pandemie wird grundsätzlich bis zum 28. März verlängert. Es erfolgen aber zugleich erste Öffnungsschritte. Darüber hat heute das Kabinett beraten. Die notwendige neue Verordnung soll morgen vom Kabinett beschlossen werden, am Montag, 8. März 2021, in Kraft treten und bis zum 28. März 2021 gelten (siebte SARS-CoV-2-Eindämmungsverordnung). Damit setzt Brandenburg die Rahmenvereinbarung der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) mit der Bundeskanzlerin vom Mittwoch in Landesrecht um.

Die wichtigsten Punkte sind:

  • Private Zusammenkünfte sind mit dem eigenen Haushalt und einem weiteren Haushalt möglich, jedoch auf maximal fünf Personen beschränkt. Kinder bis 14 werden dabei nicht mitgezählt.
  • Schule: Für die Klassen 1 bis 6 in der Primarstufe begann der Unterricht bereits am 22. Februar 2021 im Wechsel von Präsenz- und Distanzunterricht. Ab dem 15. März 2021 erfolgt der Unterricht dann auch an den weiterführenden allgemeinbildenden Schulen, den Oberstufenzentren, den Schulen des Zweiten Bildungswegs sowie an den Förderschulen „Lernen“, „Körperliche und motorische Entwicklung“, „Sehen“ und „Hören“ im Wechsel von Präsenz- und Distanzunterricht.
  • Der bisher von der Schließungsanordnung betroffene Einzelhandel kann für Termin-Shopping-Angebote („Click & Meet“) öffnen. Dies wird jedoch auf eine Kundin / einen Kunden bzw. einen Hausstand pro angefangene 40 Quadratmeter Verkaufsfläche begrenzt. Notwendig: Vorherige Terminbuchung und Kontaktnachverfolgung.
  • Baumärkte können öffnen.
  • Für Gartenmärkte und Floristikbetriebe entfällt die 50-Prozent-Regel zur Außenverkaufsfläche. Dies ist insbesondere für kleinere Blumenläden wichtig.Körpernahe Dienstleistungen wie zum Beispiel Kosmetik-, Tattoo- und Sonnenstudios können unter Auflagen öffnen. Sofern keine Maske getragen werden kann, müssen Kundinnen und Kunden einen tagesaktuellen bestätigten negativen COVID-19 Schnelltest vorweisen oder vor Ort einen Selbsttest machen.
  • Auf allen Sportanlagen unter freiem Himmel ist kontaktfreier Sport mit bis zu zehn Personen in dokumentierten Gruppen erlaubt. Für Kinder und Jugendliche bis 14 Jahren ist gemeinsamer Sport in einer Gruppe bis zu 20 Personen (zuzüglich Aufsichtspersonal) gestattet.Museen, Gedenkstätten, Galerien, Planetarien, öffentliche Bibliotheken können unter Auflagen (z.B. vorherige Terminvergabe) öffnen.
  • Notbremse: Übersteigt die 7-Tage-Inzidenz für mindestens drei Tage in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt den Wert von 200 werden wieder schärfere Kontaktbeschränkungen und Maßnahmen festgesetzt.

Ministerpräsident Dietmar Woidke:„Es ist gut, dass wir heute erste Lockerungen beschließen konnten. Das haben viele Bürgerinnen und Bürger zu recht erwartet. Und nur durch Verlässlichkeit erreichen wir Akzeptanz. Das ist die Grundvoraussetzung, damit wir gemeinsam aus der Pandemie kommen. Wir befinden uns im Spagat zwischen konsequentem Gesundheitsschutz aufgrund der steten Gefahr steigender Infektionen und den nach meiner Ansicht notwendigen Lockerungen. Die Bürgerinnen und Bürger, die Unternehmer, die Gastronomen, die Künstler – sie alle brauchen eine Perspektive. Aber es wäre falsch, jetzt alles komplett aufzumachen und damit in eine große dritte Welle zu provozieren. Grundsätzlich bleibt es notwendig, dass sich alle an die bestehenden Hygieneregeln halten. Das ist in Verbindung mit der künftig stark steigenden Zahl an Impfungen entscheidend im Kampf gegen die Pandemie und für die ersehnten Öffnungsschritte. Das vom Bund angekündigte umfangreiche Testprogramm ist hilfreich, um Infektionsketten schnell brechen zu können. Wichtig ist, dass der Bund seine Zusagen einhält und die erforderlichen Testkapazitäten verfügbar sind.“

Quelle und Link zum vollständigen Beitrag: www.Brandenburg.de

Alexander-Newski-Gedaechtniskirche (3)

Nicht weit vom Bornstedter Feld steht die Russisch Orthodoxe Kirche Alexandrowka. Im 3. Teil des Artikels „Potsdams russische Wurzeln“ aus dem Magazin „Der Potsdamer“ erfahren wir ihre Entstehungsgeschichte:

EINE KIRCHE FÜRS DORF

Potsdams russische Wurzeln: Teil 3

Beitrag im Magazin „Der Potsdamer“ vom 3.12.2020
Quelle und LInk zum vollständigen Beitrag : Der-Potsdamer.de

Hoch oben auf den Kapellenberg steht sie, die kleine russisch-orthodoxe Alexander-Newski-Gedächtniskirche in ihrem rosafarbenen Gewand. Auf dem Dach des quadratischen Gebäudes, das genau wie die Kolonie Alexandrowka zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt, befindet sich ein Tambour mit der typischen russischen Kuppel, die an die Form einer Zwiebel erinnert. Märchenhaft, klein und sogar etwas mysteriös ist sie wohl jedem in Erinnerung. Doch wohl die wenigsten haben jemals einen Blick hinein geworfen, um zu sehen, was in ihr steckt und welche Geschichten sie erzählt.Die Alexander-Newski-Gedächtniskirche wurde in den 1990er Jahren umfangreich saniert

Die Alexander-Newski-Gedächtniskirche wurde in den 1990er Jahren umfangreich saniert

WIE DIE KIRCHE NACH POTSDAM KAM

Die Geschichte der russisch-orthodoxen Gemeinde in Potsdam ist viel älter als man vielleicht vermuten mag. Bereits im Jahr 1718 kamen die legendären Langen Kerls, eine 55-Mann starke Truppe, die für den Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. bestimmt war, aus dem russischen Zarenreich unter Zar Peter I. nach Potsdam und gründeten eine religiöse Gemeinschaft. Der erste Standort der Gemeinde, der sich in der Bäckerstraße, Ecke Lindenstraße, befunden haben soll, war aber nur ein vorübergehendes Domizil, das wegen eines Umbaus aufgegeben werden musste.
Etwa 110 Jahre später befand Friedrich Wilhelm III., dass eine russisch-orthodoxe Kirche zu dem kurz zuvor entstandenen kleinen Dorf, der Kolonie Alexandrowka, dazugehörte. Wie auch bei der Errichtung der Kolonie selbst, war es sein Ziel, mit dem Bau der Kirche einen symbolischen Mehrwert zu hinterlassen.
Mit den Plänen des im Zarenreich bekannten Architekten Wassilij Petrowitsch Strassow (1769 – 1848) ging es dann mit späterer Unterstützung von Karl Friedrich Schinkel ab September 1826 an den Bau der Kirche. Der Kirchenbau stellte für die damalige Zeit in Preußen eine architektonische Besonderheit dar, weshalb Friedrich Wilhelm III. bei der Grundsteinlegung am 11. September 1826 in großer Erwartung dabei gewesen sein soll. Weil sich der Bau der Kirche aufgrund von architektonischen Schwierigkeiten verzögerte, wurde sie erst 1829 fertiggestellt – also etwa zwei Jahre nach der Kolonie. Zuvor musste auf dem Kapellenberg, den man vor dem Bau der Kolonie Alexandrowka und der Kirche noch Minenberg nannte, bauvorbereitende Maßnahmen durchgeführt werden. Benannt wurde die Kirche nach dem Heiligen Alexander Jaroslawitsch Newski. Zusätzlich wollte man an Zar Alexander I. erinnern. Im Juli 1829 wurde dann der erste Gottesdienst in Anwesenheit von Friedrich Wilhelm III. und des Zaren Nikolaus I., Nachfolger und zugleich Bruder von Alexander I., abgehalten. Mit dieser Veranstaltung war das künstlerische Werk vom preußischen König, der Zeit seines Lebens seine Energie und sein Tun in den Frieden und den Zusammenhalt mit Russland buchstäblich in Stein gemeißelt. So wurde die Erinnerung an den kurz zuvor verstorbenen Zar Alexander I., der politischer Wegbegleiter und Freund des Königs war, geschaffen und für alle folgenden Generationen erhalten.Erzdiakon Anatolij Koljada (in der Kirche)

Erzdiakon Daniel Koljada (in der Kirche)

DAS RUSSISCH-PREUSSISCHE BAUPROJEKT

Die innere Kantenlänge der quadratischen Vierung beträgt etwa 9,30 m. Im Inneren hat die Kirche eine Höhe etwa 18,40 m bis zur Zentralkuppel. Die im klassizistischen Stil erbaute Alexander-Newski-Gedächtniskirche weist nicht nur viele interessante architektonische Merkmale auf, sondern stellt auch zugleich den ältesten orthodoxen Kirchenbau in Westeuropa dar. Bis zum 19. Jahrhundert gab es keinen russischen Architekten, der sein Schaffen außerhalb seines Einflussgebietes in Russland so verwirklichen konnte wie Wassilij Petrowitsch Strassow, der nicht nur für die Baupläne der Alexander-Newski-Gedächtniskirche in Potsdam verantwortlich, sondern auch an dem Bau der Desjatin-Kirche in Kiew beteiligt war. Somit besitzt die Landeshauptstadt Potsdam ein einzigartiges kleines Stück Russland auf dem heutigen Kapellenberg. Doch auch wenn die Kirche ein freistehendes und in seiner Art einmaliges Gebäude ist, gehört sie doch zum Ensemble der Kolonie Alexandrowka.
Den Gebäudetypus bezeichnet man als Kreuzkuppelkirche, den man seit etwa dem 9. Jahrhundert bei orthodoxen Kirchen findet. Auf dem Dach erblickt man die zuvor genannten fünf Kuppeln – eine mittige große Kuppel und vier kleinere Kuppeln an den jeweiligen Ecken. Am Ende der Kirche lässt sich ein kleiner halbkreisförmiger Bereich in der quadratischen Form erkennen, der im inneren dem Altarraum dient und als Apsis bezeichnet wird. Die in der russisch-orthodoxen Kirche verwendeten und typischen Ikonen sind unter anderem auch an den Außenwänden der Kirche zu sehen. Man findet die auf Lavastein gemalten Konterfeis einiger Schutzheiliger über den Torbögen. An der Nordseite der Außenfassade das Abbild von Theodor Stratelates († 319), der als berühmter Heerführer und als Schutzheiliger in die Geschichte einging. Zudem findet man auf der Westseite eine Ikone von Christus dem Erlöser, dessen Geschichte und Hintergrund wohl jedem bekannt sind. Auch eine Ikone von Alexander Newski selbst gibt es über dem südlichen Portal zu entdecken.

EIN BESONDERER FRIEDHOF

Um die kleine Kirche herum befinden sich einige Gräber, die dort angelegt wurden, lange bevor es den benachbarten Friedhof gab. Dort wurden Personen begraben, die zu ihren Lebzeiten besonders eng mit der russisch-orthodoxen Kirche in Potsdam verbunden waren. Mit 1838 wird hier das älteste Grab datiert. Die Bewohner der Kolonie Alexandrowka wurden trotz ihrer religiösen Zugehörigkeit nicht auf diesem Friedhof begraben, sondern fanden in der Stadt Potsdam auf dem Alten Friedhof ihre letzte Ruhestätte. Allerdings findet man dort nur noch wenige dieser Gräber. Der kleine Friedhof mit seinem eisernen Zaun und den kleinen steinernen Säulen an den Enden des Zaunes, die die typischen Kuppeln in Zwiebelform besitzen, wurden von Karl Friedrich Schinkel entworfen. Betritt man die Kirche durch den Haupteingang und begibt sich in den Gemeinderaum (Naos), ist man zunächst durch die Imposanz einer aus Ikonen bestehenden Bilderwand (Ikonostas) überwältigt, der von Karl Friedrich Schinkel baulich mitgestaltet wurde. In der Mitte des Ikonostas befindet sich eine Tür, die fast ausschließlich zu Gottesdiensten geöffnet wird und hinter der sich der Altarraum befindet. Nur während der Osterwoche bleibt diese Tür durchgehend geöffnet.Das ehemalige Königlichen Teehaus wird heute vom Erzpriester bewohnt

Das ehemalige Königlichen Teehaus wird heute vom Erzpriester bewohnt

EIN TEEZIMMER FÜR DEN KÖNIG

Nur wenige Meter von der Kirche entfernt befindet sich ein zweistöckiges Haus, das auch als königliches Landhaus genutzt und 1827 fertiggestellt wurde. Sein Äußeres unterscheidet sich von dem der anderen Häuser in der Kolonie Alexandrowka deutlich. Die Fassade besteht aus glatten Bohlen, die ursprünglich ockerfarben gestrichen waren. Außerdem ist die innere Raumaufteilung eine andere. Die Zimmer sind weitaus geräumiger. In der oberen Etage befindet sich das ehemalige Teezimmer des Königs, in dem er alleine oder zusammen mit seinen Gästen zum Teetrinken in traditioneller russischer Atmosphäre verweilte. Zur Ausstattung dieses Zimmers gehörte unter anderem ein Samowar, ein traditioneller russischer „Wasserkocher“ der der Teezubereitung dient sowie ein Teeservice aus Russland, das mit zeitgenössischen russischen Motiven gestaltet gewesen sein soll. Auch für die Gäste war ein extra Teeservice vorhanden, das allerdings aus preußischer Produktion stammte. Im September 1839 besuchte Friedrich Wilhelm III. das letzte Mal das Teezimmer, nachdem er an einem Gottesdienst in der Kirche teilnahm. Eine nicht historisch belegte Anekdote besagt, dass an diesem Tag die russischen ‚Sänger-Soldaten‘, die damaligen Bewohner der Kolonie Alexandrowka, russische Lieder zum Besten gegeben haben sollen, während er im Teezimmer seinen Tee genoss. Da sein Nachfolger, Friedrich Wilhelm IV., das Zimmer seltener nutzte, verblassten die Erinnerung allmählich, und langsam geriet auch die Begeisterung für den großen Verbündeten im Osten Europas in Vergessenheit. Später wohnte in dem Teehaus bis etwa 1853 der Kirchenaufseher. In der darauffolgenden Zeit wurde das Haus durch verschiedene Personen bewohnt und stand sogar ab Ende der 1970er Jahren leer. Seit 1986 bewohnt der Erzpriester der Kirche, Anatolij Koljada, das Haus.

GEGENWART UND ZUKUNFT

Die 1977 restaurierte und von 1991 bis 1995 mit Hilfe von Landesmitteln und Mitteln der Landeshauptstadt Potsdam sanierte Alexander-Newski-Gedächtniskirche ist nicht allein nur ein Kunstwerk, das einem preußischen König zum Symbolisieren von Landesbeziehungen diente. Noch heute kann man die lebendige Geschichte dieses Ortes erleben, sobald man die Kirche betritt. Schon nach dem ersten Schritt hinein spürt man eine ausgeglichene Ruhe. Es dominiert ein leicht gedämpften Licht im Innenraum, der ruhig und angenehm kühl ist. Um einen herum findet man zahlreiche Ikonen, den prachtvollen und den mit goldenen Verzierungen versetzten Ikonostas sowie einige längliche leicht flackernde Kerzen, die den Raum in ein besonderes Licht tauchen und ihn mit einem angenehmen Duft erfüllen. Wenn die Kirche für Besucher außerhalb der Gottesdienste geöffnet ist, werden im Gemeinderaum leise russische Kirchengesänge gespielt. Sitzbänke zum Verweilen sucht man vergebens, denn in der russisch-orthodoxen Kirche wird während eines Gottesdienstes gestanden. Die wenigen Stühle sind nur für Schwache und Kranke vorgesehen. Regelmäßig werden hier Gottesdienste abgehalten, zu denen die Zarentür zum Altarraum geöffnet wird. Der Gottesdienst selbst ist von starker Symbolkraft geprägt.
Neben regelmäßigen Veranstaltung wird die Kirche auch für Hochzeiten und andere Anlässe genutzt. Da es für die russisch-orthodoxe Kirche keine Kirchensteuer gibt, finanziert sich diese hauptsächlich durch Spenden und freiwillige Beiträge.
Eine genaue Zahl von Gemeindemitglieder gibt es nicht, weil keine offiziellen Zählungen erhoben werden. „Unsere Gemeinde führt eine freiwillige Liste, wo sich Leute eintragen können und wir haben derzeit über 800 eingetragene Mitglieder“ erklärt der Erzdiakon der Kirche, Daniel Koljada, im Gespräch mit dem POTSDAMER. Da nur etwa 50 Menschen in der Kirche Platz finden, wurde beschlossen, dass zukünftig ein neues Gemeindezentrum gebaut werden soll, um dem Gemeindeleben einen Raum zu bieten. Dafür existiert auch bereits ein neues Grundstück, das nur wenige Meter von der Kirche entfernt ist und schon im September 2019 von Erzbischof Tichon von Podolsk geweiht wurde. Obwohl es ein Grundstück gibt und die Pläne eines Architekten bereits vorliegen, ist der genaue Baustart noch nicht bekannt. „Jetzt sind wir in der Phase der Baugenehmigungsplanung. Der Bauantrag ist schon eingereicht, aber wir warten noch auf die Antwort“, sagt Daniel Koljada.

Heute ist die historische Alexander-Newski-Gedächtniskirche zusammen mit der gesamten Kolonie Alexandrowka ein lebendiger Bestandteil der Stadt Potsdam, der zeigt, dass wir eine tiefe historische Verbindung zu unserem großen Nachbarn Russland haben. Die gesamte Anlage entstand einst aus der Verbundenheit Preußens und Russlands und sie wird auch heute noch durch diese erhalten. Mit den Plänen für das neue Gemeindezentrum sehen wir, dass die Geschichte noch lange Bestand haben und sich weiterentwickeln wird.

kb

Quelle und Link zum vollständigen Beitrag einschließlich Bilder:
Der-Potsdamer.de/Eine-Kirche-fuers-Dorf/

Mit freundlicher Genehmigung durch:
POTSDAMER – Magazin der Havelregion
Herausgeber: Steve Schulz (V.i.S.d.P.)

Links zu den bisherigen Beiträgen:
Potsdams russische Wurzeln Teil 1: Der vergessene Freund
Potsdams russische Wurzeln Teil 2: Kolonie Alexandrowka
Potsdams russische Wurzeln Teil 5: Erzdiakon Daniel Koljada

Straßennamen im Bornstedter Feld (GH)

Das Bornstedter Feld

Das Bornstedtter Feld ist heute als Neubaugebiet bekannt. Seine Entstehung hat eine lange Geschichte hinter sich. Friedrich der II. hat um 1750 festgelegt, dass die jeweils ungenutzten Felder der damals üblichen Dreifelderwirtschaft als Exerzierplatz verwendet wurden. Das galt zunächst für alle Felder der Gemeinde Bornstedt. Eine sehr belastende Festlegung für die Bauern und die Soldaten. Friedrich Wilhelm der IV. hat deshalb Landwirtschaft und Exerzierplatz mit einem geraden Strich auf der Landkarte getrennt. Die neue Straße von der Jägerallee nach Bornstedt wurde mit kanadischen Pappeln bepflanzt (1841/42), seitdem heißt sie Pappelallee. 1935 wurden Bornim, Bornstedt, Nedlitz und Eiche nach Potsdam eingemeindet. 1945 bis zum Abzug 1993 nutzte die sowjetische Armee das Bornstedter Feld nördlich der Pappelallee militärisch. Für Potsdamer war es während dieser Zeit nicht zugänglich. 1991 beschloß die Stadt Potsdam, nach Abzug der Roten Armee diese etwa 300 Hektar große militärische Brache für die Entwicklung eines neuen Stadtteils zu nutzen. Das Neubaugebiet „Bornstedter Feld“ war geboren!

Von der Pappelalle in Richtung Norden durchstreift die Georg-Hermann-Allee das Neubaugebiet, gequert von Jakob-von-Gundling-Straße, Bartholomäus-Neumann-Straße, Carl-Christian-Horvath-Straße, Kiepenheuerallee, Jochen-Klepper-Straße, Reinhold-Schneider-Straße, Herman-Kasack-Straße, Esplanade, Peter-Huchel-Straße, Hans-Paasche-Straße, Erich-Arndt-Straße und Bonner Straße.

Georg Hermann

(* 7. Oktober 1871, + 19. November 1943 im KZ Auschwitz-Birkenau)

Ein deutscher Schriftsteller, geboren in Berlin als sechstes Kind einer jüdischen Familie. Seine bekanntesten Romane sind Jettchen Gebert (1906) und Henriette Jacoby. Sie erzählen berliner Geschichten von jüdischen Familien. 1911 wurden wurden sie in dem zweiteiligen Stummfilm Jettchen Geberts Geschichte von Richard Oswald verfilm. Nach dem Reichstagsbrand 1933 geht Hermann ins Exil nach Holland. Dort wird er 1943, nach der Besetzung durch die deutsche Wehrmacht, auf Umwegen in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau deportiert und getötet.

Bartolomäus Neumann

(* unbekannt, + 10. Mai 1742)

Buchdrucker und Verleger, bemerkenswert, er erhielt als erster von Friedrich Wilhelm I. die Konzession für eine Buchdruckerei in Potsdam. Neumann verlegte unter anderem Gundlings Brandenburgischen Atlas (1724).

Quellenverzeichnis:

1 Geschichte Bornstedter Feld: https://de.wikipedia.org/wiki/Bornstedt_(Potsdam)

2 Beschluß zu Neubaugebiet Bornstedter Feld: https://www.potsdam.de/bornstedter-feld

3 Lebenslauf Georg Hermann: https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Hermann

4 Geschichte der Romane Jettchen Gebert und Henriette Jacoby:
https://de.wikipedia.org/wiki/Jettchen_Geberts_Geschichte

5 Bartholomäus Neumann
 https://www.zeitstimmen.de/index.php?page=autor&is_autor=2309

Karl-Heinz Daum

Bornstedt Verleiht!

Wer kennt das nicht? Viele Geräte und Dinge verstauben in Schränken, Dachböden und Kellern, und werden nur alle Jubeljahre gebraucht. Und wenn dann doch mal ein Projekt ansteht, wird festgestellt, dass ein anderes Gerät fehlt. Teuer neukaufen? Nebenan.de? Oder mal etwas anderes versuchen?

Nachbarschaft lebt auch immer davon, sich gegenseitig zu helfen. Und was ist einfacher, als sich mit Dingen auszuhelfen, die man sowieso hat, die aber die meiste Zeit im Jahr einfach ungenutzt rumliegen? Aber: woher weiß der/die Nachbar*in denn, ob ich einen Akkuschrauber, einen Vertikutierer oder ein Raclette habe? Na zum Beispiel, in dem ich dies auf einen oder mehreren unserer neuen Aufkleber schreibe, und diese Aufkleber für die Nachbar*innen sichtbar an die Tür oder den Briefkasten klebe! Das schafft nicht nur ein nachbarschaftliches Kennenlernen, sondern ist auch ökologisch nachhaltig, spart Ressourcen und schont den Geldbeutel. Also ein kleiner Schritt in Richtung besserer Welt 😉

Sie können ganz einfach bei unserer Aktion „Bornstedt verleiht!“ mitmachen und Ihren Nachbar*innen bekannt geben, was sie verleihen möchten. Die Aufkleber können im Stadtteilladen kostenlos oder gegen eine kleine Spende abgeholt werden. Zur Zeit der Schließung über den Jahreswechsel oder wegen des Pandemiegeschehens liefern wir die Aufkleber auch gern zu Ihnen nach Hause.