Als jüngstes Mitglied des Gemeindekirchenrats engagiert sich der 19-Jährige für das Gemeinschaftsgefühl in Bornstedt
Lächelnd steht Ben vor dem Gemeindehaus in der Ribbeckstraße. Sein Blick ist offen und freundlich, mit sicherer Geste bittet er den Gast einzutreten. Diese natürliche, fast schon selbstverständliche Haltung hat wohl damit zu tun, dass der 19-Jährige häufig im Haus der Kirchengemeinde ist. Und vor allem damit, dass Ben sich dort sehr gut aufgehoben und akzeptiert fühlt.
Das ist nun sogar amtlich: Im November 2025 hat die evangelische Gemeinde Ben Briesenick in den Gemeindekirchenrat (GKR) gewählt. Damit ist er das jüngste Mitglied des ehrenamtlichen Gremiums, das gemeinsam mit Pfarrer Friedhelm Wizisla die inhaltliche Arbeit der Bornstedter Gemeinde gestaltet und wichtige Entscheidungen trifft.

Gemeinschaft mitgestalten
Für Ben war die Kandidatur fast schon ein logischer Schritt: Seit und während seiner Konfirmationszeit ist Ben in der Gemeinde engagiert. Er ist ein tragendes Mitglied der Jungen Gemeinde. Jeden Donnerstagabend kommt die JG-Gruppe im Dachgeschoss der Ribbeckstraße 17 zusammen, um zusammen zu chillen, zu kochen, zu spielen oder zu basteln. Was gemacht wird, entscheiden die bis zu 15 jungen Leute zwischen 16 und 21 Jahren gemeinsam. „Dass wir Jugendlichen hier eigene Räume haben, finde ich super“, sagt Ben. „Das ist ein eigener Kosmos innerhalb Bornstedts.“
Durch ein Schulpraktikum bei Pfarrer Friedhelm Wizisla lernte Ben die Abläufe, Arbeiten und Mitarbeitenden und deren Tätigkeitsbereiche im Gemeindehaus kennen. Er ist auch schon in weiteren kirchlichen Gremien aktiv: So engagiert er sich in der Evangelischen Jugend Potsdam und ist gewähltes (vertretendes) Mitglied des Kreisjugendkonvents (KJK), Träger für die Jugend im Kirchenkreis Potsdam. Einmal im Monat trifft sich der KJK. Hinzu kommen die Kirchensynoden im Frühjahr und im Herbst. „Für viele ist Gremienarbeit öde – für mich nicht“, sagt Ben. „Zu sehen, wie sich eine Gemeinschaft weiterentwickelt, welche ich auch mitgestalten kann: Das gefällt mir.“

Zur Schule geht er in Berlin
Ben ist in Bornstedt aufgewachsen. Seine ersten Lebensjahre verbrachte er allerdings in der Waldstadt. Dort besuchte er die Internationale Grundschule auf dem Ravensberg, bis er 2015 mit seiner Mutter nach Bornstedt zog. Zur vierten Klasse wechselte Ben auf die Karl-Foerster-Schule, später auf die Leonardo-Da-Vinci-Gesamtschule, wo er bis zur Mittleren Reife blieb. Jetzt besucht der 19-Jährige das OSZ KIM im Berliner Bezirk Mitte, ein Oberstufenzentrum für Kommunikations-, Informations- und Medientechnik, um dort sein Abitur zu absolvieren. Ben ist in der 13. Klasse, die Abiturprüfungen stehen kurz bevor.
Neben den üblichen Fächern fand Ben am OSZ KIM die Chance, sich auf Medien- und Gestaltungstechnik zu fokussieren – ein Bereich, der ihn interessiert. Dafür nimmt er einen langen Weg auf sich: Von Montag bis Freitag klingelt der Wecker um 5.30 Uhr, denn um kurz vor 7 Uhr fährt die Regionalbahn nach Berlin. Ben nutzt die Zeit auf seine ganz eigene Weise: „Beim Zugfahren schau ich aus dem Fenster und beobachte die Umgebung und die Leute“, sagt er. „Das gibt mir Ruhe und inspiriert mich.“
Am OSZ KIM lerne er eine Menge über Grafik- und Bildgestaltung und wie ein Film geplant wird, erzählt Ben: „vom Storyboad bis hin zur Dreh- und Technikdispo“. Er habe bereits einen Kurzfilm über Wohnungsknappheit gedreht, als Abschlussarbeit sei ein fiktionaler Film gefordert. Der Countdown läuft: Am 24. März 2026 ist Bens letzter Schultag. „Ich freue mich schon auf die Prüfungen, obwohl ich mich doll darauf vorbereiten muss“, sagt er. Denn danach ist der Weg für seine weiteren Ziele frei: „Nach dem Abi will ich ein Freiwilliges Soziales Jahr am Theater machen“, sagt Ben.
Irgendwann mal selbst auf der Bühne stehen oder Regie führen, vielleicht auch Bühnenbilder oder Kostüme gestalten: Eine Karriere am Theater ist Bens Traum.

Mehr Kino und besondere Gottesdienste
Zunächst will Ben in der Bornstedter Gemeinde einiges erreichen. Als Mitglied des Gemeindekirchenrats möchte er dafür sorgen, dass in der Gemeinde die jungen Stimmen gehört und neue Veranstaltungsformate entwickelt werden könnten. „Es gibt schon viele Angebote, trotzdem können diese noch ausgebaut werden“, findet er. „So sollten die Kinoabende regelmäßiger stattfinden, oder manche Gottesdienste könnte man richtig gemütlich gestalten.“ Als Beispiel nennt er die Abendbrotkirche der Evangelischen Jugend: Das sind lockere Treffen mit Essen, Gespräch und Musik, bei denen Besuchende aller Altersgruppen miteinander ins Gespräch kommen.
Das Zusammensein, die Gemeinschaft: Das ist es, was im Zentrum von Bens Interesse steht. Seine Großeltern und seine Mutter führten ihn an die evangelische Kirche heran. Als streng gläubig bezeichnet er sich allerdings nicht. „Vieles aus der Bibel verstehe ich gar nicht“, sagt Ben und lacht. „Was ich spannend und inspirierend finde, sind die vielen Leute, die ich kennenlerne, auch aus ganz unterschiedlichen Altersgruppen.“ Es seien schon einige Freundschaften entstanden.
Außerdem brauche er etwas neben den schulischen Aktivitäten, etwas mit Struktur und der Chance, neue Kontakte zu knüpfen. „Das gibt mir Kraft und Energie.“ Ben hat auch noch weitere Hobbys: Seit vier Jahren nimmt er Gesangsunterricht, außerdem tanzt er im Sportverein Lokomotive Potsdam Standard- und Latein-Tänze.
Die Wintersonne wird schwächer. Wir entscheiden, Fotos zu machen, bevor die Dunkelheit hereinbricht. Die Arkadenhalle im Renaissance-Stil auf der Ostseite der Bornstedter Dorfkirche ist die ideale Location für schöne Bilder. Mit Begeisterung posiert Ben vor der Kamera. Im Hintergrund ragt der Glockenturm 34 Meter hoch in den Himmel.
Ben erinnert sich, wie er genau hier, vor etwa fünf Jahren, für die Bornstedter Kirche Feuer fing. „Unser Konfi-Unterricht begann mit einer Rallye rund um die Kirche“, erzählt er. „Wir mussten Fragen beantworten, zum Beispiel, wie hoch der Campanile ist. Und dann durfte ich mit der Fernbedienung die Glocken bedienen. Das war echt beeindruckend.“
Nach dem Fotoshooting spazieren wir über den Bornstedter Friedhof. Ben ist immer wieder fasziniert davon, wie viele Berühmtheiten hier begraben sind: Hofbaumeister, Hofärzte, Generäle und Offiziere und auch der berühmte Landschaftsgärtner Peter Joseph Lenné.
Doch nicht nur die Bornstedter Kirche hat für Ben eine große Bedeutung – ihm ist der ganze Stadtteil wichtig. „In Bornstedt zu wohnen verbindet“, findet er. „Man kennt sich immer über drei Ecken.“ Am liebsten verbringt er mit seinen Freunden seine Zeit, immer wieder bei wem anders und in den Gärten. Nach dem Abitur wegziehen, vielleicht nach Berlin? Ben schüttelt den Kopf: Das ist für ihn derzeit keine Option. „Ich bin sehr verwöhnt von Potsdam“, sagt er. „Und hier in Bornstedt ist mein Anker.“
Text: Beatrix Fricke
Dezember 2025
