Bornstedt hat, besonders in den Jahren seit der deutschen Wiedervereinigung, tiefgreifende Veränderungen durchlebt. Der Stadtteil hat sich weit über die Maße des Dorfes Bornstedt hinaus entwickelt. Heute nennen ihn über 16.000 Menschen ihr Zuhause. Im Vergleich: 2006 hatte Bornstedt nur ungefähr 3.500 Einwohner:innen. Die Konversion — also die Umwandlung militärisch genutzter Flächen in eine zivile Nutzung — hatte jedoch zur Folge, dass die Bornstedter Geschichte vielerorts unsichtbar geworden ist. In Anbetracht dieser Entwicklungen lohnt sich ein Blick in die Vergangenheit.

Bornstedt ist nicht nur die „Rückwand Sanssoucis“, wie einst Theodor Fontane schrieb. Kratzt man einmal an der Oberfläche, kommen spannende, witzige und durchaus unerwartete Perlen aus Architektur, Militärgeschichte, Geologie, Kunst, Sport und Gartenbau ans Licht, die mitunter Weltgeschichte schrieben.

Ziel des Geschichtspfades ist es diese Geschichten anhand von Anekdoten, Bildern und Filmausschnitten erlebbar zu machen und in größere historische Zusammenhänge einzuordnen.

Das Projekt Geschichtspfad Bornstedt

Aufgrund der flächendeckenden Überbauung Bornstedts in den vergangenen 30 Jahren, haben viele Bewohner Bornstedts nur wenig Bezug zu der Geschichte ihres Stadtteils. Wir möchten mit diesem Projekt den Anwohner:innen ermöglichen, einen Einblick in die bewegte Geschichte ihres Wohnortes zu geben, etwas dazu zu lernen und sich im besten Fall mit anderen Anwohner:innen darüber auszutauschen. Gleichzeitig ist es ein Versuch, Bornstedt auch für Touristen attraktiver zu machen. Die Idee für einen Geschichtspfad entstand bereits 2022 im Stadtteilladen Bornstedt. Es folgten Veranstaltungen, Gesprächsrunden, Stadtteilführungen, Ausstellungen und sogar der Bau einer Prototyp-Stele in Kooperation mit der Fachhochschule Potsdam. Ende 2025 kam schließlich die Förderzusage der Landeshauptstadt Potsdam. Seitdem arbeitet ein kleines Team haupt- und ehrenamtlicher Geschichtsbegeisterter an der Umsetzung des Pfades. Das Projekt wird gefördert durch Smart City Potsdam. 

Was ist geplant?

Der Geschichtspfad wird aus zwei Elementen bestehen: physischen Stelen an den jeweiligen historisch relevanten Orten und einer web-basierten App. Auf den Stelen wird ein QR-Code abgebildet sein, der Interessierte auf eine Webseite weiterleitet, auf der durch Texte, Bilder, VR-Elemente, Ton- und Videoaufnahmen die Geschichte Bornstedts anschaulich erzählt wird. Aktuell befindet sich ein Team aus Ehrenamtlichen, einer Historikerin und den Mitarbeitenden des Bornstedter Stadtteilladens in der Recherchephase, trägt wichtige Informationen zur Bornstedter Geschichte zusammen und arbeitet diese entsprechend auf. Die Fertigstellung des Geschichtspfades ist für Ende 2026 angesetzt.

Möchten Sie mitmachen? Wir suchen noch (Familien-)Geschichten, Zeitzeugenberichte und historische Dokumente wie Fotos oder Postkarten, die Bornstedts Vergangenheit zeigen. Nehmen Sie gern Kontakt mit dem Team des Stadtteilladens auf:

Stadtteilladen Bornstedt
Jochen-Klepper-Str. 7a
14469 Potsdam

geschichtspfadbornstedt@gmail.com
0331 600 177 82 / 0176 70889849

Dr. Henriette Heischkel
0176 10200146

Eine kurze Geschichte Bornstedts

Vom Dorf zum Exerzierplatz

1304 wurde das Dorf Bornstedt erstmals urkundlich erwähnt. Über Jahrhunderte prägten Bauernhöfe, Gutsanlagen und Ackerflächen das dörfliche Bornstedt. Noch heute erinnern alte Fachwerkhäuser und Gutsanlagen in Alt Bornstedt an jene Zeit. Im Jahr 1664 erwarb der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm (1620-1688) das heutige Krongut Bornstedt. Hiermit begann eine neue Phase der Entwicklung; von nun an stand Bornstedt in enger Verbindung mit Potsdam, das sich zur selben Zeit, neben Berlin, zur zweiten Residenzstadt der brandenburgischen Kurfürsten und später der preußischen Könige entwickelte. Im 18. Jahrhundert rüstete das preußische Militär unter dem Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. (1688-1740) stark auf und Potsdam wurde zur Garnisonsstadt. Sein Sohn Friedrich II. (1712-1786) bestimmte das Bornstedter Feld als Exerzierplatz für die Kavallerie. Diese Entscheidung sollte das Gesicht Bornstedts bis in die heutige Zeit hinein prägen.
Friedrich II. führte seiner Zeit die Dreifelderwirtschaft ein. Dies meint den Anbau von Weizen auf der einen Fläche, Kartoffeln auf der zweiten und zum dritten die Nutzung der Brache für die Kavallerie. Die militärische Nutzung des Bornstedter Feldes gewann, durch den Bau von Kasernen, Übungsplätzen und Lazaretten, immer mehr an Bedeutung und schränkte die Landwirtschaft immer weiter ein. Das Gut Bornstedt musste dazu noch Teile seiner Ländereien für den Bau des Schlosses Sanssouci an den Alten Fritz (Friedrich II.) abtreten.

Garten- und Landschaftskunst

1840 übernahm der bekannte Gartenkünstler Peter Joseph Lenné (1789-1866) im Auftrag Friedrich Wilhelm IV. (1795-1861) die Verschönerung der Bornstedter Umgebung. Darunter fällt unter anderem die Gestaltung eines Landschaftsparks rund um den Ruinenberg und den Bornstedter See, aber auch die Gestaltung von Sichtachsen in der Feldflur und die Bepflanzung der Ackerränder. Ungefähr zur selben Zeit ging auch das Krongut direkt in den Besitz der Hohenzollern über und wurde nach einem Brand im italienischen Stil wieder aufgebaut. Danach diente es unter anderem als Residenz für das Kronprinzenpaar Friedrich Wilhelm (1831-1888) und Victoria (1840-1901). Weitere relevante Namen der Gartenbaukunst, welche mit Bornstedt in Verbindung gebracht werden können, sind die Stifterin des Potsdamer Werner-Alfred Bades Käthe Pietschker (1861-1949), der Pflanzenzüchter und Schriftsteller Karl Förster (1874–1970) oder die Landschaftsarchitekten Herta Hammerbacher (1900-1985) und Hermann Mattern (1902-1971), die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Bornstedt gewirkt haben.

Der Bornstedter Friedhof

Ebenfalls interessant ist der Bornstedter Friedhof. Fontanes Spruch “Was in Sanssouci stirbt, wird in Bornstedt begraben” (1869) weist auf den Umstand hin, dass hier zahlreiche Generäle, Offiziere, Kammerdiener, Geheimräte, Hofärzte und Hofbaumeister des kaiserlichen Preußen ihre letzte Ruhestätte fanden. So findet man auf den Grabsteinen berühmte Namen wie Peter Joseph Lenné (1789-1866), Friedrich Ludwig Persius (1803-1845), Ferdinant von Arnim (1814-1866) und die Gärtnerfamilie Sello. Ein Beispiel aus der jüngeren Geschichte ist das Grab des Widerstandskämpfers des 20. Juli 1944, Kurt von Plettenberg (1891-1945).
Auch der Pfingstberg oder die Kolonie Alexandrowka, auch wenn heute nicht mehr zu Bornstedt gehörig, sind historisch mit dem Bornstedter Friedhof verbunden, da das Land, auf dem sie sich befinden, einst Teil des Gutes Bornstedt war.

Militärische Nutzung im 20. Jahrhundert

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das Bornstedter Feld zum Flugplatz. Flugpioniere wie   Wilhelm Flocke (1878-1974), Paul Engelhard (1868-1911), Dr. Herbert Alberti (1884–1926) oder Orville Wright (1871-1948) führten hier Flugübungen durch, wobei letzterer in Bornstedt sogar einen Höhenflug-Weltrekord von 275 Metern aufgestellt haben soll.
Nach dem 1. Weltkrieg war Deutschland, durch den Versailler Vertrag, zur Abrüstung gezwungen. Da dies den Bedarf an militärischen Einrichtungen und Übungsgelände deutlich minimierte, veränderte sich das Gesicht Bornstedts erneut. Das Bornstedter Feld diente unter anderem der sportlichen Nutzung, sei es in Form einer Rodelbahn am Ruinenberg oder der Sportfliegerei. Die Märkischen Industriewerke Golm nutzen das Bornstedter Feld als Werkflugplatz. Gleichzeitig war es immer noch Standort der (mittlerweile deutlich verkleinerten) Potsdamer Garnison. Es gab Pläne das Bornstedter Feld in eine komplett friedliche Nutzung zu überführen, diese scheiterten jedoch.
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 intensivierte sich die Nutzung des Bornstedter Feldes zu militärischen Zwecken erneut. Im Zuge dessen wurden auch neue Kasernen und Militäreinrichtungen errichtet, zum Beispiel die Adolf Hitler Kaserne, die Ludendorf Kaserne und die Hohenlohe Kaserne. In Potsdam war hauptsächlich die Infanterie Division 23 stationiert. Zu dieser Zeit war auch der spätere Bundespräsident Richard von Weizsäcker (1920-2015) in Bornstedt stationiert.
Nach Kriegsende wurden die noch erhaltenen militärischen Einrichtungen zur Stationierung einer sowjetischen Panzerbrigade, als Unterkunft der Volkspolizei der DDR und als Kaserne der NVA genutzt. Überreste einer Leninstatue aus jener Zeit sind heute noch im Waldpark zu finden.

Konversion – die Umgestaltung zum Wohngebiet nach 1990

Nach dem Abzug der sowjetischen Truppen und der deutschen Wiedervereinigung 1990 begannen Planungen für eine grundlegende Umgestaltung des Bornstedter Felds durch den Entwicklungsträger Bornstedter Feld, eine Treuhandfirma der Stadt Potsdam. Dabei war es wichtig, Belange des Denkmalschutzes, städtebauliche Gesichtspunkte, soziale und ökologische Aspekte zu beachten. Die alten Kasernenbauten sollten erhalten bleiben, jedoch einer neuen Nutzung überführt werden. Gleichzeitig wurde auf bisher unbebauten Flächen ein kompakter Städtebau vorangetrieben. Eine wichtige Rolle spielte dabei die Bundesgartenschau im Jahr 2001 und die Gestaltung des dazugehörigen Parks, heute Volkspark, mit vielen Freizeitangeboten. Die Konversion des Bornstedter Feldes von einer historisch-militärischen Nutzung in ein Wohngebiet ist in Ausmaß und Komplexität in Deutschland einmalig.