Hannes Meyer (18.November 1889 in Basel -19. Juli 1954 in Crossifisso di Savosa)
Hannes Meyer entstammte einer Basler Bauunternehmerfamilie. Nach dem frühen Tod des Vaters musste Meyer als Halbwaise einen Teil seiner Kindheit und Jugend im Waisenhaus Basel verbringen.
Nach der Schulzeit absolvierte Meyer eine Maurer- und Steinmetzlehre sowie eine Ausbildung zum Bauzeichner und Bauführer in Basel. Ab 1909 arbeitete er in Berlin in verschiedenen Architekturbüros.
Von 1916 bis 1918 arbeitete er in Essen als Siedlungsplaner, dann wieder als selbständiger Architekt in Basel. Erste internationale Bekanntheit erlangte Meyer durch den Entwurf und Bau der Genossenschaftssiedlung Freidorf in Muttenz bei Basel (1919–1923), wo er bis 1926 selbst wohnte.
Im Jahr 1927 wurde Hannes Meyer als «Meisterarchitekt» an das Bauhaus Weimar berufen. Unter Meyers Leitung erhielten die technischen Fächer einen erheblich stärkeren Stellenwert. Meyer setzte die Parole: «Volksbedarf statt Luxusbedarf!».
In seiner Bauhauszeit plante Meyer gemeinsam mit Hans Wittwer den Bau der Bundesschule des ADGB in Bernau und führte ihn auch durch. Im Juli 2017 wurde die Bundesschule zum Weltkulturerbe der UNESCO erklärt.
Hannes Meyer war in seinen Städtebauplänen an genossenschaftlichen Zielen orientiert und verstand sich als antiautoritärer Kommunist. Am 1. August 1930 wurde Meyer aus politischen Gründen fristlos entlassen.
Meyer ging noch 1930 nach Moskau und wurde dort bis 1933 Professor an der Hochschule für Architektur. Ab 1931 erstellte Meyer als Leiter einer Städtebaubrigade und als Chefarchitekt Entwicklungspläne für verschiedene Städte wie Molotowo, Nishni-Kurinsk und Krasnojarsk auf.
Meyers damalige Lebensgefährtin und Sekretärin Margarete Mengel siedelte 1931 ebenfalls mit ihrem Kind nach Moskau über.
Meyer fiel ab 1933 bei den stalinistischen Behörden zunehmend in Ungnade. Auch begannen die ersten so genannten «Säuberungsaktionen» innerhalb der großen Moskauer Ausländergemeinde. Meyer kehrte deshalb im Juni 1936 in seine Schweizer Heimat zurück. Seine Lebensgefährtin bekam als deutsche Staatsbürgerin kein Visum und blieb deshalb mit dem gemeinsamen Sohn in Moskau.
1937 heiratete Meyer die Textildesignerin Lena Bergner, mit der er bis zu seinem Tod zusammenlebte.
Margarete Mengel wurde 1938 verhaftet, mit vielen anderen Ausländern ohne Prozess zum Tode verurteilt und am 20. August 1938 standrechtlich erschossen. Ihr gemeinsamer Sohn Johannes Mengel (1927-2003)wuchs, nachdem Hannes Meyer die Sowjetunion verlassen hatte und Margarete Mengel hingerichtet worden war, in einem sowjetischen Kinderheim auf. Über seine tragischen Kindheitserlebnisse berichtete dieser, der 1994 als Spätaussiedler nach Deutschland kam, in einem inzwischen veröffentlichten Brief vom 6. April 1998.
Im Jahr 1938 reist Meyer in die Vereinigten Staaten und nach Mexiko. Von 1939 bis 1941 war er Direktor des neu gegründeten Instituts für Städtebau und Planung mit Sitz in Mexiko-Stadt. Im Oktober 1942 wird er Technischer Direktor des Sektors für Arbeiterwohnungen im Arbeitsministerium von Mexiko und projektiert u. a. die Arbeitersiedlung „Colonia Orbrera de las Lomas“. Es folgen planerisch-infrastrukturelle Tätigkeiten als Vorsitzender der Planungskommission für Spitäler und Kliniken des Mexikanischen Volksversicherungsinstituts. Ab 1946 arbeitet er wieder privat als Architekt.
Ende 1949 ging Meyer nach einem Zerwürfnis mit den mexikanischen Behörden zurück in die Schweiz. Nach seiner Rückkehr lebte er bis 1954 in der Nähe von Lugano und arbeitete an architekturwissenschaftlichen Studien und theoretischen Schriften. Seine Bestrebungen in Europa wieder als Architekt, Städtebauer oder Professor zu arbeiten blieben ohne Erfolg.
Hannes Meyer – Zweiter Bauhaus Direktor Dessau – Biografie – Lebenslauf des Architekten – Leben und Wirken – Porträt – Kurzbiografie – Bücher – Literatur – Links – Film
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Entlassung vor 90 Jahren – Hannes Meyer, der unbekannte Bauhaus-Direktor
