
Wer Carolin trifft, bleibt in Bewegung. „Komm, lass uns eine Runde durch den Volkspark laufen“, schlägt sie beim Treffen am Wasserspielplatz vor. Schon geht es los, am Pyramiden-Garten und dem grünen Wagen vorbei Richtung Nedlitzer Holz. Gekleidet in eine rote Regenjacke, bequeme Schuhe an den Füßen, wirkt die 38-Jährige leger und sehr sportlich.
Der Eindruck täuscht nicht. Bereits nach wenigen Schritten erfährt man, dass Carolin als Sporttherapeutin in der ambulanten Reha des Oberlinhauses arbeitet. Dort sorgt sie dafür, dass Menschen nach Operationen oder Verletzungen wieder auf die Beine kommen. Und auch in ihrer Freizeit ist Carolin gerne in Bewegung – am liebsten beim Tanzen. Jazzdance, Modern Dance – bis sie 18 war, trainierte sie im Verein im heimatlichen Cottbus, tanzte sich mit ihrem Team auf Turnieren bis in die Bundesliga. In Potsdam, wo sie seit 2006 wohnt, stillt sie ihre Tanzlust in der Fabrik. „Beim Tanzen spürt man sich, bewegt den ganzen Körper durch. Es macht mich entspannt und glücklich, es gibt mir Energie“, sagt Carolin.
Sie will Menschen zum Lächeln bringen
Doch ist das Tanzen mehr als Bewegung. In der Fabrik trifft Carolin Frauen, die zu Freundinnen geworden sind. Sie gehen zusammen ins Kino, machen Wochenend-Trips, unterstützen sich gegenseitig. Carolin strahlt. Ihr soziales Umfeld ist ihr sehr wichtig. „Ich habe ein großes Bedürfnis, Menschen kennenzulernen. Es macht mir auch Spaß, Menschen zusammenzubringen.“ Da passte es gut, dass sie nach ihrem Studium der Sportwissenschaften in Potsdam erstmal sechs Monate lang auf einem Kreuzfahrtschiff als Fitnesstrainerin jobbte. Heute ist sie nebenbei als Wassergymnastik-Trainerin im Club Aktiv im Werner-Alfred-Bad beschäftigt. „Hier wird ohne Leistungsdruck trainiert, und Menschen schließen neue Bekanntschaften.“ Das gefällt ihr.
Auch ehrenamtlich bringt Carolin Menschen zusammen. Zu Corona-Zeiten gründete sie in ihrer Wohnsiedlung im Fliederweg die „Sonntagsfrauen“. Sie verteilte Handzettel, rief zum Nordic Walking und Bauch-Beine-Po-Gymnastik an der frischen Luft auf. Die Gemeinschaft von fünf Frauen besteht bis heute. Zudem engagiert sich Carolin als Leiterin einer Selbsthilfegruppe für Essstörungen im SEKIZ e.V. „Im Ehrenamt kann man mit wenig Mitteln viel bewirken und Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern“, erklärt sie ihre Motivation.
Bornstedter sind „offen, aber reserviert“
Die Menschen sind wohl auch ein Stück Familie für die Singlefrau. „Ich bin gerne eingebettet und trotzdem selbständig“, sagt Carolin. Sie genießt die Freiheit einer eigenen Wohnung, geht gerne allein ins Kino und auch auf Reisen, am liebsten in Deutschland. Wandern im Teutoburger Wald und im Frankenland, Kultur in Essen und Leipzig – „da lasse ich mich treiben“. Und natürlich die Berlinale – die steht jedes Jahr in ihrem Kalender.
Neben ihren vielen Aktivitäten liebt sie Ruhe und Natur. Daher fühlt sie sich in Bornstedt sehr wohl. Sie schätzt an dem Stadtteil die Lage im Grünen bei gleichzeitiger Zentrumsnähe. „Bornstedt ist familiär. Nicht so eigenbrötlerisch wie Babelsberg, nicht so etepetete wie die Berliner Vorstadt und nicht so öko wie Potsdam-West“, sagt sie und lacht. 2019, nach Studierendenwohnheim und trubeligem WG-Leben in Babelsberg, bezog Carolin in Bornstedt ihre Wohnung mit Blick auf den Ruinenberg. Die Bornstedter empfindet sie als „offen, aber trotzdem reserviert“. Was sie vermisst, sind Treffpunkte. „Mal ein Café besuchen, abends in eine Weinbar gehen, das wäre schön.“

Sie träumt von einem Café im Viktoriaeck
Daher würde sie gerne eine weitere Idee verwirklichen: das Viktoriaeck an der Potsdamer Straße wiederbeleben. „Das wäre eine tolle Anlaufstelle. Ich würde ein Café daraus machen, Räume zum Beispiel für Yoga einrichten, mit einer Kinderecke.“ Carolin hat sogar schon die Eigentumsverhältnisse recherchiert und Freund:innen um Unterstützung gebeten. Den Rest, davon ist sie überzeugt, könnte sie über ihr Netzwerk sowie nebenan.de und Kleinanzeigen organisieren, ihre liebsten Internetportale. Sogar die notwendigen Management-Kenntnisse brächte die 38-Jährige mit: Zehn Jahre lang arbeitete Carolin bei der Einrichtungskette Butlers als Team- und Filialleitung. Erst 2020, in der Corona-Krise, orientierte sie sich um. Sie studierte im Fernstudium betriebliches Gesundheitsmanagement und begann schließlich ihre Arbeit als Sporttherapeutin. Aktiv und zugleich achtsam sein, für die eigenen Bedürfnisse und die ihrer Mitmenschen sorgen: Danach versucht sie ihr Leben auszurichten.
Eine Menge positive Energie
Ein Regenschauer hat den Spaziergang durch den Volkspark unterbrochen, die Picknickhütte auf dem Spielplatz am Nedlitzer Holz bietet Schutz. Plötzlich springt Carolin mitten im Gespräch auf: Sie sieht eine junge Frau vorbeilaufen, einen Kinderwagen vor sich herschiebend. Carolin stürmt auf sie zu und umarmt sie. Es ist eine ihrer vielen Freundinnen. „Sie hat heute Geburtstag, wie schön, das hat ja richtig gut gepasst“, sagt Carolin freudig, als sie zur Hütte zurückkommt.
Auf dem Weg zurück zum Wasserspielplatz beginnt die Sonne wieder zu scheinen. Das passt gut zu Carolins Ausstrahlung und zu ihrer positiven Energie. Vielleicht treffen Sie Carolin demnächst mal in Bornstedt. Sagen Sie gerne „Hallo“ zu ihr – sie wird Sie herzlich zurückgrüßen.
Text: Beatrix Fricke
August 2025
