Melchior Bauer (* 19.Oktober 1733 bei Altenburg; † nach 1770) war ein deutscher Luftfahrtpionier.
Bauer war der Sohn des Handfronbauern Hans Bauer und dessen Frau Maria und erlernte den Beruf eines Gärtners. Er war fromm und verbrachte seine freie Zeit mit dem Studium der Bibel. Besonders beeinflussten ihn die in den Schriften des Religionsstifters Moses, des Königs Salomon und des Propheten Hesekiel überlieferten Voraussagen über die den Menschen vergönnten Flugmöglichkeiten in ferneren Zeiten. Aus dort geschriebenen Zitaten schloss er, dass es des Menschen Bestimmung sei, Herrscher über die drei Elemente Erde, Wasser und Luft zu sein. Auch erhielt er Anregungen durch die in der heimischen Natur beobachteten Vogelflüge.
Melchior Bauer beschreibt in seiner anschließend verfassten 15-seitigen Flugzeughandschrift von 1765 (1921 im thüringischen Staatsarchiv Greiz wiederentdeckt), veranschaulicht durch Konstruktionszeichnungen, ein Gleitflugzeug. Der technische Aufbau seines „Gnadenstuhls“ (der durch Gottes Gnade den Menschen fliegen lassen kann) wird detailliert beschrieben.
Er versah seinen „Himmelswagen“ mit einer geraden, durchgehenden, aus Tannen-, Fichten- oder Kiefernholz, gewirkter Seide und Messingdraht zusammengebauten Fläche, die er als „Himmel“ bezeichnete. Diese war an zwei „Himmelssäulen“ befestigt. Sie ragten über der Tragfläche, an denen sie mit Drähten aufgehängt waren, empor. Diese Tragfläche sollte den vom Berg herabrollenden Flugwagen vom Boden ab und in die Luft erheben. Für den Wagen hatte er auch eine Art Windmotor, einen Flügel, konstruiert. Die Tragfläche sollte wie zwei ausgestreckte Flügel eines Vogels wirken. Der Wagen mit den vier Rädern trug die senkrecht angeordneten und wie Vogelfedern wirkenden Leitflächen. Der auf dem Wagen stehende Pilot sollte mit seinen Händen die ebenfalls an den „Himmelssäulen“ mit Ledergelenken befestigten Flügel unter dem „Himmel“ seitlich auf- und abschwingen. Die Festigkeit der Konstruktion sollte durch eine ausgeklügelte Verspannung aus Messingdrähten und Spanntürmen geleistet werden. Interessanterweise wurde dieses Verspannungssystem in den Anfangszeiten der Fliegerei vor dem ersten Weltkrieg genutzt, obwohl Melchiors Schrift zu diesem Zeitpunkt noch verschollen war.
Da Melchior Bauer völlig mittellos war, benötigte er für sein Vorhaben fremde Hilfe. Er ging kurz nach Beendigung des Siebenjährigen Krieges 1763 nach England, um beim dortigen König Georg III. Geld für den Bau seines geplanten Flugapparats zu erbitten, wurde jedoch erst gar nicht vorgelassen. Anschließend richtete er ein entsprechendes Schreiben an den preußischen König Friedrich II. und wurde ebenfalls abgewiesen. So schickte er seine „Flugzeughandschrift“ 1767 an Graf Heinrich XI. von Reuß-Greiz, der aber weder das Skript zurücksandte noch dessen Eingang registrierte. So verschwand Bauers Schrift in den Greizer Archiven und kam erst 1921 im Archiv des Oberen Schlosses von Greiz wieder zu Vorschein.
Im Jahr 1924 gab das Thüringer Staatsarchiv davon ein erstes Faksimile im Greifenverlag heraus. Melchior Bauer jedoch verließ 1770 seinen Heimatort Lehnitzsch mit unbekanntem Ziel.
Bauers Konstruktion gehört zusammen mit dem um 1716 vom schwedischen Gelehrten Emanuel Swedenborg entworfenen Gleitflugzeug zu den zwei beachtenswerten schriftlich niedergelegten Flugzeug-Projekten des 18. Jahrhunderts, in denen die Urheber bewusst vom Schwingenflug abgingen und starre Tragflächen für die Auftriebsbildung vorschlugen. Ohne die Fluggeschichte beeinflussen zu können, entwickelte Bauer, der keinerlei Vorbildung auf diesem Gebiet besaß, schon 125 Jahre vor Otto Lilienthal Techniken, welche heute zu Grundkomponenten moderner Flugzeuge geworden sind (starre V-förmige Flügel). Er vereinte als erster das Drachen- mit dem Motorenprinzip.
Deutsche Biographie – Bauer, Melchior
